Wedding : Polizei meldet Erfolg beim Kampf gegen Drogenhandel in der U-Bahn

Im ersten Halbjahr gab es bereits 555 Festnahmen. Wegen der vielen Razzien verlagerte sich der Rauschgifthandel vielerorts an die Oberfläche. Nun gab es Razzien in Wedding.

Jörn Hasselmann,Johannes Radke

Schweigend lehnt der 26-Jährige an der verwitterten Backsteinwand. Seine Hände sind auf dem Rücken mit Handschellen gefesselt. Um ihn herum steht ein Dutzend Polizisten in Uniform und Zivil. Gegen den kräftigen Mann mit den schwarzen Haaren und der dunklen Lederjacke liegt ein Haftbefehl wegen Drogenhandels vor. Was er nicht ahnen konnte: Schon seit dem frühen Morgen wurde er von der Polizei observiert. Als er mit einem bekannten Drogenhändler in ein Taxi stieg, kam der Einsatzbefehl. In einer Seitenstraße beim S-Bahnhof Wollankstraße in Wedding griffen die Beamten schließlich zu. Mehrere Telefone und einige hundert Euro Bargeld fanden die Ermittler bei den Festgenommenen. Jetzt sitzen diese in einem Gefangenenbus und warten auf den Abtransport.

Wenige Autominuten entfernt geht der Einsatz weiter. In zwei Wohnungen vermuten die Polizisten das Rauschgiftversteck der Festgenommenen. Ein Spürhund wird in das Gebäude geführt, ein Beamter holt einen schwarzen Rammbock aus dem Wagen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hat sich eine Traube von neugierigen Nachbarn gebildet. „Das ist immer dasselbe“, kommentiert ein türkischstämmiger Cafébesucher das Geschehen. „Die wollen schnell das große Geld machen und fangen dann mit so einem Mist an.“ Im selben Moment hört man im zweiten Hinterhof, wie mit lautem Krachen die Tür zur Wohnung auffliegt. Doch heute haben die Beamten kein Glück, der große Drogenfund bleibt aus.

„Unser Ziel ist es, Unruhe in der Drogenszene zu erzeugen“, sagt Polizeisprecherin Miriam Tauchmann. Dazu gehörten die Festnahme von Drogenhändlern und Drahtziehern, aber auch präventive Maßnahmen zur Abschreckung. „Präsenz zeigen spielt eine ganz wichtige Rolle.“ Der Leopoldplatz in Wedding, das Kottbusser Tor in Kreuzberg oder die Weinmeisterstraße in Mitte – es gibt kaum einen für Drogenhandel bekannten U-Bahnhof, in dem es in den letzten Monaten keine Razzia gegeben hat.

Bei den Einsätzen immer mit dabei sind die Spezialisten von „Sinod“ (Sicherheit im Nahverkehr ohne Drogen). Die 2007 eingerichtete Soko war derart erfolgreich, dass sie Anfang 2008 in ein eigenständiges Rauschgiftdezernat umgewandelt wurde. „Die zahlreichen Festnahmen, Haftbefehle und Sicherstellungen von Drogen haben die Situation in der U-Bahn Schritt für Schritt verbessert“, sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch dem Tagesspiegel. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden 555 Personen festgenommen, 6000 wurden überprüft. Gegen 61 Tatverdächtige wurde in diesem Jahr bereits Haftbefehl erlassen. Wegen der vielen Razzien verlagerte sich der Rauschgifthandel vielerorts deshalb an die Oberfläche. „Das Dezernat mit 40 Mitarbeitern bleibt am Ball“, versicherte Glietsch.

Erst Anfang des Monats habe es einen schönen Fahndungserfolg mit drei Festnahmen und der Sicherstellung von 55 Kilogramm Heroin gegeben. Das war die größte jemals in Berlin entdeckte Menge. Die drei Täter sollen den Handel im U-Bahnhof Schwartzkopffstraße auf der U6 organisiert und beliefert haben. „Dieser Fall macht deutlich, dass wir nicht mehr an der untersten Ebene der Kleinstdealer arbeiten, sondern Strukturen der organisierten Bandenkriminalität aufbrechen“, betonte Glietsch. Seit Gründung des Dezernats im März 2008 wurden 60,6 Kilo Heroin und 134 Kilo Haschisch sichergestellt.

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