Wedding : "Streetfighters"-Gang soll Vergeltungsschlag gegen Rocker planen

"Wer die Show macht, ist der Boss" - oder? Zumindest scheinen das die Mitglieder der Gang "Streetfighters" zu glauben. Doch es gab tatsächlich auch Ärger: Rocker der Hells Angels sollen das Clubhaus überfallen haben.

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Mit düsteren Mienen zeigen sich Mitglieder der Gang in einem Youtube-Video.
Mit düsteren Mienen zeigen sich Mitglieder der Gang in einem Youtube-Video.Screenshot: Tsp

Sie nennen sich „Streetfighters“ – doch mit politischem Straßenkampf hat das nichts zu tun. Eine Gruppe von 15 bis 20 Jugendlichen und Heranwachsenden – alle mit Migrationshintergrund, alle als Straftäter bei der Polizei bekannt, manche auch als Intensivtäter – nutzt die Straßen Weddings, um zu rauben, zu prügeln und offenbar vor allem, um sich wichtig zu machen. Sie tragen Kutten mit dem „Streetfighters“-Aufdruck, verstehen sich als Gang und haben einen Sportraum in der Schererstraße als Hauptquartier gemietet. Dort hängt ein Boxsack. Eine Hantel soll wohl auch vorhanden sein, und man trifft sich offenbar nicht nur, um gemeinsam Sport zu machen.

Bandenkrieg - seit dem Sommer macht sogar dieser Begriff die Runde. Er klingt dramatisch, entspricht aber nicht den Tatsachen - auch wenn es sich um Kriminelle handelt. Denn von einem Bandenkrieg zwischen den "Streetfighters" und bekannten Rockergruppen könne überhaupt keine Rede sein, sagt ein Polizeisprecher. Zur Mitgliedschaft in dieser Gang gehöre eben auch, verbal aufzumuskeln. Und so agieren die selbst ernannten Straßenkämpfer wohl eher frei nach Klaus Kinskis Spruch „Wer die Show macht, ist der Boss“: Da werden gerne einschüchternde Geschichten erzählt, dass man eine Gegenbewegung zu den etablierten Rockergruppen sei, dass Neu-Mitglieder 10 000 Euro bekommen und 15 000 zurückzahlen müssen, wenn sie austreten, da posiert man auch schon mal in einem Musikvideo in Macho-Pose, rappt Gewaltverherrlichendes und Sexistisches oder lässt sich mit einer Machete fotografieren.

Seit die Mitglieder im Sommer dieses Jahres vermehrt durch Jugendgewaltstraftaten, wie es bei der Polizei heißt, aufgefallen sind, hat die zuständige Direktion 3 in Mitte gehandelt: Zwei Beamte wurden mit der Aufgabe betraut, unter dem Namen „Arbeitsgruppe Scherer“ die Gang zu beobachten, Lagebilder einzuholen und ihrem kriminellen Treiben auf die Spur zu kommen. Dafür, dass der Begriff Bandenkrieg in der Welt ist, ist das aber nicht viel. "Wenn es sich tatsächlich um eine gefährliche Gang handeln würde, hätte man eine Sonderermittlungsgruppe beim Landeskriminalamt eingerichtet", sagt ein Ermittler. Im Auge behalten wollen die Beamten aber, was die "Streetfighters" treiben.

Alles rankt sich um den „Anführer“ der Gruppe, den ebenfalls polizeibekannten Ahmet A., 38, ein Mitglied einer kurdischen Großfamilie. Ahmet A. ist der Mieter des Clubhauses in der Schererstraße und soll nach eigenen Angaben ein Jugendfreund von Kadir P. sein, seines Zeichens Präsident des Motorradclubs Hells Angels Berlin City. Diesen habe er auch um „Erlaubnis“ gefragt, dass seine Jungs die Kutten tragen dürfen, steht im Lagebericht der Ermittler.
Irgend etwas muss dann aber doch noch zwischen Ahmet A. und den „Hells Angels Berlin City“ vorgefallen sein, denn Anfang September wurde das Vereinsheim der „Streetfighters“ überfallen und verwüstet, Ahmet A. wurde dabei verletzt. Die Ermittler gehen davon aus, dass es die Hells-Angels-Rocker waren. Ahmet A. und seine Streetfighters hätten daraufhin „Vergeltungsschläge“ angekündigt. Dazu wolle Ahmet A. angeblich zwei Brüder aus der Türkei holen, verbunden mit der Drohung: „die haben Verbindungen zur PKK“. Passiert ist bislang nichts. Doch die beiden Sonderermittler haben weiterhin ein Auge drauf.

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