Westend-Mord : Sohn schweigt vor Gericht

Ein 17-Jähriger soll seinen Vater in dessen Kanzlei erschossen haben. Vor Gericht wollte er nichts zu dem Vorwurf sagen. Seine Großeltern sitzen ihm vor Gericht als Nebenkläger gegenüber.  

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Ganz ruhig wirkte der 17-Jährige, als der ungeheuerliche Vorwurf verlesen wurde. Dann schwieg er. So schilderte es der Nebenklage-Anwalt. Hat der Schüler aus gutem Hause tatsächlich eine Pistole genommen und seinen Vater ermordet? Acht Monate nach den tödlichen Schüssen auf Steuerberater Ingo W. begann der Prozess vor dem Landgericht. Wegen des jugendlichen Alters des Schülers bleibt die Öffentlichkeit ausgeschlossen.  

Michael K. (Name geändert) soll sich am 12. August mit einem Schlüssel Zugang zur Kanzlei seines Vaters in Westend verschafft haben. Zehn Schüsse fielen. Fünf trafen den erfolgreichen Steuerberater und Notar in den Oberkörper und in den Kopf. Der 49-Jährige starb etwa eine Stunde später in einem Krankenhaus.

Seitdem laufen schwierige Ermittlungen. Die Tatwaffe wurde nicht gefunden, es gibt keine Tatzeugen, aber viele Gerüchte. In der Ehe kriselte es wohl schon seit längerem. Ingo W. und seine Frau lebten bereits getrennt. Der Steuerberater hatte die Scheidung eingereicht. Zwei Wochen vor den Schüssen. Nun sitzen seine Eltern als Nebenkläger mit im Gerichtssaal – dem Enkel gegenüber. „Es ist für sie furchtbar, aber sie erhoffen sich Aufklärung“, so ihr Anwalt Roland Weber.  

Für die Großeltern sei es unvorstellbar, das „schlimmstmögliche Szenario“, dass der einzige Sohn mutmaßlich von ihrem geliebten Enkel erschossen worden sein soll. Doch was, wenn die Indizien aus Sicht des Gerichts eine Schuld beweisen? „Dann stellt sich die Frage, ob er es allein durchgeführt haben kann.“ Oder ob es „andere hinter ihm“ gebe. Es sei nicht lebensnah anzunehmen, dass ein damals 16 Jahre alter Junge so einfach an eine Waffe kommt und tatsächlich abdrückt, sagte der Nebenklage-Anwalt.

Gegen die Witwe und den zweiten Sohn wird Angaben zufolge weiter wegen Verdachts einer etwaigen Tatbeteiligung ermittelt. Wie Michael K., der seit Oktober in Haft sitzt, sollen sie schweigen. Der Prozess geht am 24. April weiter.

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