Wochenende : Polizei wappnet sich für Rocker-Treffen

Hunderte Hells Angels werden am Samstag im Vereinsheim am Spandauer Damm erwartet. Aus Sorge vor Kämpfen mit den rivalisierenden Bandidos gilt bei der Polizei die zweithöchste Sicherheitsstufe.

Tanja Buntrock
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Unterm Rockerbalkon. 300 Polizisten bewachten voriges Jahr das Vereinsheim am Schloss Charlottenburg. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der Kampf um die Vormachtstellung zwischen den rivalisierenden Rockerbanden Hells Angels und Bandidos wird immer blutiger, wie die vergangenen Vorfälle gezeigt haben – am kommenden Wochenende nun wappnet sich die Polizei erneut für einen Großeinsatz: Die Hells Angels Berlin veranstalten wieder ihr alljährliches Treffen. Hunderte Mitglieder und befreundete Unterstützer aus ganz Deutschland werden im Vereinsheim am Spandauer Damm in Charlottenburg erwartet. Sollte es dann zu einem Aufeinandertreffen mit den Bandidos kommen, werde es „mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Auseinandersetzung mit Hieb- und Stichwaffen kommen“, heißt es in einem internen Sicherheitsschreiben der Polizei. Deshalb gilt für den Einsatz am Wochenende die zweithöchste Sicherheitsstufe.

Im Internet kündigen die „Höllenengel“ ihren so genannten City Run an – ein Motorradkorso durch die Stadt. Hinzu kommt, dass am Salzufer rund 25 000 Harley-Davidson-Liebhaber zu den ersten „Berlin Harley Days“ erwartet werden. Die Besucher, die etwas „Easy Rider“-Flair schnuppern wollen, haben jedoch nichts mit den harten Jungs der straff organisierten Hells Angels zu tun.

Die Polizei geht auf Nummer sicher: Damit die Hells Angels die Besucher der „Harley Days“ am nahe gelegenen Salzufer nicht für ihre Aktionen „instrumentalisieren“, sei der Vize-Präsident der Hells Angels bereits von Polizeibeamten zu Hause besucht worden. „Man hat ihm und den Mitgliedern verboten, sich bei den ’Harley Days’ blicken zu lassen“, sagte ein Ermittler dem Tagesspiegel. Die Rocker hätten die Warnung der Polizei akzeptiert. Der „City Run“ der Hells Angels ist bislang bei der Polizei nicht angemeldet worden. Möglicherweise hätten die Hells Angels darauf verzichtet, weil die Motorradtour durch die Stadt im vorigen Jahr von der Polizei verboten worden war, mutmaßte ein Beamter. Eine Stellungnahme des Hells-Angels-Sprechers gab es dazu gestern nicht.

Wie auch im vergangenen Jahr wird die Polizei mit mehreren hundert Beamten im Einsatz sein und am Spandauer Damm Vorab-Kontrollen auf Waffen und andere gefährliche Gegenstände machen. Als sich einige Rocker im vorigen Jahr dem Konvoi-Verbot widersetzen, legte die Polizei Nagelmatten aus. Die unerlaubte Ausfahrt von elf Rockern endete deshalb bereits am Schloss Charlottenburg.

Ob die Bandidos einen Angriff auf das Treffen der Hells Angels planen, darauf gebe es laut Polizei derzeit keine konkreten Hinweise. Doch schon seit Wochen ist die Polizei in höchster Alarmbereitschaft: Denn der am Jahresbeginn geschlossene Waffenstillstand zwischen den Bandidos und den Hells Angels ist nach einigen blutigen Vorfällen der vergangenen Wochen längst wieder beendet. Erst kürzlich konnten die Beamten eine Racheaktion einer „Hells Angels“-nahen Gruppierung aus Mecklenburg-Vorpommern im Rotlichtmilieu in Mitte beenden. Schwer bewaffnet und mit weißen Theatermasken vermummt waren rund 50 Rocker in eine Table-Dance-Bar in der Oranienburger Straße eingedrungen. Die Polizei nahm die Beteiligten fest. Die Ermittler waren sowieso an Ort und Stelle, weil sie vier der Männer aus der Gruppe verhaften wollten, die einen Box-Promoter brutal attackiert haben sollen. Die 50 Rocker wollten mit der Aktion offenbar Stärke beweisen, da nur wenige Tage zuvor eine Gruppe Bandidos vor der Bar aufgetaucht waren – offenbar, um ihre Gegenspieler einzuschüchtern.

Die Polizei rechnet damit, dass künftig Hells-Angels-Mitglieder aus ganz Deutschland in die Hauptstadt kommen werden, um die Berliner Mitglieder in ihrem Kampf gegen die Bandidos zu unterstützen. Diese haben nämlich offenbar die Oberhand im kriminellen Milieu (Drogenhandel, Schutzgeld, Waffen, Prostitution) gewonnen: Die Bandidos expandierten in Berlin und Brandenburg im großen Stil und sollen durch das Absenken ihrer Aufnahmekriterien sehr viel Nachwuchs in der Region rekrutiert haben. Brutaler „Höhepunkt“ der jüngsten Auseinandersetzungen war ein Angriff im brandenburgischen Finowfurt, wo Hells-Angels-Mitglieder von Bandidos brutal im Auto attackiert wurden. Einem Mitglied der Angels wurde mit einer Axt ins Bein geschlagen – die Ärzte des Unfallkrankenhauses Marzahn konnten das Bein jedoch noch retten.

Schnell endete gestern ein Prozess um einen Angriff auf einen Mann, der den Hells Angels nahe stehen soll. Ein 51-Jähriger wurde freigesprochen: Er soll im September 2006 bei einer Messerstecherei im Rotlichtmilieu in Charlottenburg beteiligt gewesen sein. Doch nachzuweisen war der blutige Angriff auf den Hells-Angels-Sympathisanten gestern nicht.

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