Wrangelkiez : Haus in Kreuzberg kurz nach Besetzung geräumt

Die Polizei hat am Montagabend nach wenigen Stunden die Besetzung eines Hauses in der Schlesischen Straße beendet. Die Besetzer hatten gegen Mietsteigerungen protestiert. Während der Räumung kam es zu Rangeleien.

30. Mai 2011: Linksautonome und Sympathisanten besetzen ein Gebäude im Wrangelkiez in Berlin-Kreuzberg. Sie protestierten gegen Mietsteigerungen.Alle Bilder anzeigen
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30.05.2011 22:2830. Mai 2011: Linksautonome und Sympathisanten besetzen ein Gebäude im Wrangelkiez in Berlin-Kreuzberg. Sie protestierten gegen...

Linksautonome und Sympathisanten haben am Montag leerstehende Wohnungen in einem Gebäude im Wrangelkiez in Berlin-Kreuzberg besetzt. Sie brachten an dem Haus in der Schlesischen Straße 25 am späten Nachmittag Transparente mit linken Parolen an, wie ein Polizeisprecher sagte. Nach einem Strafantrag des Eigentümers, der Wohnungsbaugesellschaft GSW, holte die Polizei 19 Hausbesetzer aus dem Gebäude. Zwei Mietparteien halten sich laut Polizei aber weiterhin rechtmäßig in dem Haus auf.

Vor dem Haus hatten sich zum Zeitpunkt der Räumung etwa 100 Personen versammelt. Da sie der Aufforderung zur Räumung des Platzes nicht nachkamen, drängte sie die Polizei ab. Sechs Beamte seien dabei von Demonstranten durch Fußtritte verletzt worden. Die Polizei nahm daraufhin sechs Männer und eine Frau vorübergehend fest. Am Abend beruhigte sich die Lage vor dem Haus laut Polizei wieder.

Zudem drangen am Montagnachmittag Besetzer in das Büro des Bürgermeisters von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), ein. Sie erklärten sich in einem Schreiben solidarisch mit den Hausbesetzern in der Schlesischen Straße. Auf Nachfrage sagte ein Polizeisprecher, dass Schulz die Besetzer zu seinen Gästen erklärte und die Beamten daher nicht aktiv wurden. Bei der Besetzung in Kreuzberg prüften die Beamten einen Polizeieinsatz. Voraussetzung ist allerdings eine Anzeige des Eigentümers.

Bezirksbürgermeister Schulz machte sich am Abend ein Bild von der Lage am besetzten Haus. Er habe versucht, mit der GSW zu telefonieren. Ziele seien keine Räumung und die Aufnahme von Verhandlungen über eine längerfristige Nutzung.

Schulz nannte die Kritik an steigenden Mieten und der angespannten Wohnungssituation berechtigt. Er warf der ehemals landeseigenen GSW zudem vor, sich nicht an den vereinbarten Mieterschutz gehalten zu haben. Die GSW war 2004 vom Senat an ein Finanzkonsortium mit den internationalen Fondsgesellschaften Whitehall (Goldmann & Sachs) und Cerberus verkauft worden. Das Unternehmen ist mittlerweile an der Börse notiert.

Im Anschluss an die Räumung des Hauses kam es zu einer Spontandemonstration durch den Kiez. Diese verlief bis zum späten Abend friedlich. (dapd)

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