Zwölfjähriger getötet : Junge lag erschlagen im Keller

Tödliches Familiendrama in einer Reinickendorfer Plattenbausiedlung: In einem Keller ist die Leiche eines Zwölfjährigen gefunden worden. Das Kind wurde erschlagen. Die Polizei sucht den flüchtigen Vater.

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Blick in den Keller des Reinickendorfer Wohnhauses. In einem dieser Kellerabteile lag die Leiche des zwölfjährigen Jungen.Alle Bilder anzeigen
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20.04.2011 12:47Blick in den Keller des Reinickendorfer Wohnhauses. In einem dieser Kellerabteile lag die Leiche des zwölfjährigen Jungen.

Es ist eine ruhige, unauffällige Plattenbausiedlung in Reinickendorf. Doch seit Mittwoch stehen die Anwohner in der Gotthardstraße unter Schock. Sie sind fassungslos über die brutale Gewalttat gegen den zwölfjährigen Jungen. „Das ist für mich einfach unvorstellbar“, sagt eine Frau, die in dem Haus wohnt, in dem die Leiche gefunden wurde. „Ich verstehe nicht, was einen Menschen dazu treiben kann, so etwas zu tun.“ Sie ist selbst Mutter von zwei Kindern und hat jetzt Angst um ihre Söhne.

Im ebenerdigen Keller des Hauses stießen Polizisten in der Nacht zu Mittwoch auf den grausigen Fund. Blutspuren führten von der Kellertür bis zu einem Holzverschlag, hinter dem der leblose Körper lag. Das Kind wurde erschlagen. Offenbar handelt es sich um eine Beziehungstat. Nach dem Vater wird mit Haftbefehl gesucht.

Im Obduktionsbericht heißt es, das Kind sei „durch stumpfe Gewalt gegen den Oberkörper“ getötet worden. Die Ermittler der Mordkommission gehen von einem tödlichen Streit mit dem Vater aus, wobei jedoch ein Sexualdelikt ausgeschlossen werden könne. Ein zunächst festgenommener Mann wurde am Mittwoch gegen Mittag wieder freigelassen, da sich der anfängliche Tatverdacht gegen ihn nicht bestätigte. Er soll mit dem Vater des Jungen in der Wohnung zusammengelebt haben. Ob die beiden Lebensgefährten waren oder sie nur eine Wohngemeinschaft verband, blieb gestern unklar.

Die zwei Männer wohnen nach Angaben der Nachbarn seit Ende 2010 gemeinsam in der Reinickendorfer Wohnung. Der Vater des toten Jungen hatte sich vor längerer Zeit von der Mutter des Kindes getrennt. Die Mordkommission wollte diese Angaben nicht kommentieren.

Alarmiert wurden die Einsatzkräfte am Dienstagabend. Die Mutter hatte den Zwölfjährigen bei der Polizei als vermisst gemeldet und machte sich Sorgen, dass ihm etwas zugestoßen sein könnte. Zuvor waren der Junge und seine achtjährige Schwester zu Besuch in der Wohnung des Vaters gewesen. Die Tochter soll dann allein zurück zur Mutter gekehrt sein und erzählt haben, dass es zwischen dem Vater und ihrem Bruder einen Streit gegeben habe. Anschließend seien beide verschwunden. Dies meldete die Mutter der Polizei. Was der genaue Grund des Streits zwischen dem Vater und seinem Sohn war, blieb gestern noch unklar. Ein Ermittler sagte dem Tagesspiegel, dass der Vater und sein Mitbewohner ein schweres Alkoholproblem gehabt haben.

Die Kriminalpolizei suchte zunächst im Wohnhaus des Vaters und im nahen Umkreis nach dem vermissten Kind. Dann entdeckten die Beamten gegen ein Uhr in der Nacht die Leiche des Jungen im Keller des Wohnhauses.

Im ganzen Gebäude fanden die Spezialisten der Mordkommission Blutspuren. Bis zum frühen Morgen sicherten sie weitere Spuren im Haus und im Keller. Die Wohnung des Vaters wurde durchsucht und versiegelt. An der Wohnungstür waren am Mittwoch noch die Stellen zu sehen, an denen die Kriminaltechniker Fingerabdrücke genommen hatten.

Die meisten Anwohner kennen die beiden Männer aus dem fünften Stock nur vom Sehen. „Die hat man kaum zu Gesicht bekommen“, sagt ein Nachbar. Erst vor einem Jahr seien sie eingezogen. Beide hätten sich vollkommen unauffällig verhalten. Lauten Streit oder Ärger habe es nie gegeben. Ab und zu sei ein Junge bei den Männern zu Besuch gekommen. „Der Kleine wirkte immer fröhlich und nett“, sagt eine Anwohnerin.

Die meisten Menschen haben erst am Morgen von dem Drama im Nachbarhaus erfahren. Am Mittag drängten sich Kamerateams und Fotografen auf dem begrünten Innenhof des Gebäudekomplexes. Der kleine Spielplatz, auf dem sich sonst alle Kinder der Siedlungen treffen, ist am Mittwoch verlassen. Nur vereinzelt beobachten Anwohner aus ihren Fenstern schweigend den Hof.

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