Berlin : Polizei lässt Autofahrer im Regen stehen

Die neuen BMW sind anfällig – und wer einen Unfall hat, muss seine Personalien im Freien angeben

Jörn Hasselmann

Wenigstens im Warmen und Trockenen konnten die Berliner sitzen, wenn sie einen Unfall gebaut haben. Die Polizei erschien an den Unfallstellen im guten alten VW-Bus, in dem die Unfallzeugen Platz nehmen durften, um Bericht zu erstatten. Seit sechs Wochen kommen die Polizisten immer häufiger im schnittigen BMW 525. Der hat keinen Tisch, an den man sich setzen kann.

Nun stehen die Unfallbeteiligten ums Polizeiauto herum, egal, ob es regnet oder schneit. Die Beamten, so sie im Auto bleiben, werden immerhin von der Seite nass, denn wenigstens die Fenster müssen sie ja heruntergekurbeln. Es mag unhöflich wirken, aber die Beamten müssen zuweilen sitzen bleiben – anderenfalls schließlich würde das Protokoll nass.

Das Regen-Problem ist den Verantwortlichen im Präsidium egal. Hier zählen allein die Kosten. Der VW-Bus mit Drinnensitz- Garantie sei ein Luxus gewesen, den sich kein anderes Bundesland geleistet habe. Die 100 geleasten BMW kosten nur halb so viel wie die VW-Bullys. Die Polizei bekomme sie so günstig, „weil BMW in der Hauptstadt Fuß fassen will“. Auch die Unterhaltskosten sprachen gegen den VW-Bus; er verbraucht bis zu 20 Liter, muss zudem von der Polizei selbst repariert werden. Bei den Diesel-BMW sind Reparatur und Wartung inklusive.

Ein Glück – in den vergangenen sechs Wochen kam bei 300 000 Kilometern einiges zusammen: 76 Beanstandungen. Acht Mal hakte im Getriebe ein kleines Teil – „ein Pfennigartikel“, wie der zuständige Polizeirat Hubert Schuster versichert.

Dem ADAC ist dieses Getriebe-Problem allerdings unbekannt. Die 5er-BMW seien in der Mängelstatistik überhaupt nicht auffällig, sagt BMW-Experte Hubert Paulus im ADAC-Technikzentrum Landsberg/Bayern. Der Berliner ADAC vermutet, dass die Wagen durch den ständigen Fahrerwechsel stärker beansprucht werden. Ein Polizist fasste seine Fahr-Erlebnisse im neuen BMW so zusammen: „100 haben wir bekommen, einen haben sie uns sofort kaputtgefahren und fünf stehen gerade in der Werkstatt. Aber fahren tun sie klasse.“

Am Rande: In Berlin fahren auch BVG-Führungskräfte BMW. Die BVG-Verkehrsmeister aber, die an Knotenpunkten den Betrieb regeln, müssen darauf verzichten. Weil so noble Wagen auf Kunden verschwenderisch gewirkt hätten, stoppte der Vorstand das geplante BMW-Leasing. Nun fahren die Verkehrsmeister weiter VW-Passat. Die sind teurer.

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