Berlin : Polizei macht Jagd auf Drogendealer in der U-Bahn

Landeskriminalamt setzt Sonderkommission ein Auch Videoüberwachung soll verstärkt werden

Jörn Hasselmann

Die Polizei sagt den Dealern auf U- und S-Bahnhöfen den Kampf an. Ab heute ist eine Sonderkommission im Landeskriminalamt im Einsatz. Sie heißt „Sinod“, das steht für „Sicher im Nahverkehr ohne Drogen“. Die neu gegründete Ermittlungsgruppe ist das Ergebnis eines Gesprächs, zu dem Polizeipräsident Dieter Glietsch die Chefs von BVG, Bahn und S-Bahn am Dienstag eingeladen hatte. Zudem hat die Polizei die Verkehrsbetriebe aufgefordert, ihre Stationen umzubauen, um Drogenhandel zu erschweren. „Dunkle Ecken“ sollen beseitigt werden. Polizei und BVG kündigten gestern zudem eine verstärkte Videoüberwachung an. Auf einem Bahnhof werde testweise modernste Videotechnik installiert, deren Bilder sollen eine Identifizierung von Straftätern ermöglichen.

Rauschgifthandel in der U-Bahn ist in Berlin ein Massendelikt – zum Ärger der Fahrgäste, die teilweise von den jungen Tätern belästigt und bedroht werden. In einer Analyse der Senatsinnenverwaltung heißt es: dass überall dort mit Drogen gehandelt wird, wo es „günstige Tatgelegenheitsstrukturen“ gibt – und das gilt „nahezu im gesamten U-Bahn-Verkehr“, wie es in dem Schreiben heißt. Als die Dealer-Linie gilt in Berlin die U 8. 17 der 24 Stationen der Nord-Süd-Linie gelten als „Brennpunkt“, dazu viele Bahnhöfe an U 7 und U 9 sowie fast alle Umsteigebahnhöfe. 2006 hatte die Polizei 1334 Drogenhändler im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs erwischt – die Dunkelziffer in dem Delikt wird als sehr hoch eingeschätzt. Verkauft werden vor allem Kokain und Heroin. Die Dealer haben bei Festnahmen in der Regel nur solch geringe Mengen dabei, dass ein Haftbefehl nicht möglich ist – am nächsten Tag stehen sie wieder im Bahnhof.

„Für die Polizei ist die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr eine Hauptaufgabe“, teilte Glietsch gestern mit. Damit beschreibt der Polizeipräsident zugleich eine Kehrtwende. Denn 2003 hatte die Polizei die bis dahin üblichen gemischten Streifen in der U-Bahn – zwei Schutzpolizisten und einen BVG-Mitarbeiter – eingestellt. Dies war unter anderem von Fahrgastverbänden heftig kritisiert worden. Seitdem sollten Dealer mit Sondereinsätzen verfolgt werden, um den Rest sollte sich das BVG-Personal kümmern. BVG-intern war kritisiert worden, dass sich die Drogenhändler von BVG-Angestellten nicht beeindrucken lassen.

Nach Polizeiangaben waren im Jahr 2006 durchschnittlich 31 Polizisten pro Tag bei der BVG im Einsatz – bis 2003 hatte das „Einsatzkommando“ 70 Beamte. Nun sollen mehrere Dutzend Zivilfahnder in der Soko „Sinod“ aktiv werden, eine genaue Zahl nannte die Polizei nicht. Verstärkt wird die Gruppe durch die bereits jetzt tätigen rund 300 Beamten der Bundespolizei, die bei der Bahn im Einsatz sind.

Die BVG sicherte zu, dass bei künftigen Sanierungen die Stationen „begradigt und entrümpelt“ werden, wie eine BVG-Sprecherin sagte. Zudem sollen alle betriebsinternen Räume mit Sicherheitsschlössern ausgerüstet werden. Denn viele Dealer haben sich einen simplen Vierkantschlüssel organisiert, um in Abstellräumen sich oder ihre Drogen zu verstecken.

Zudem drängt die Polizei darauf, dass die BVG schärfer mit Hausverboten und Anzeigen wegen Hausfriedensbruch gegen Rauschgifthändler vorgeht. Doch da hat die BVG ein juristisches Problem. Da niemand von der Beförderung ausgeschlossen werden dürfe, sei ein Hausverbot ein stumpfes Schwert, hieß es. Selbst wer mit Hausverbot belegt sei, komme mit der Ausrede „ich warte auf den Zug“ ungeschoren davon. 2006 hatte die BVG 67 Hausverbote erteilt und 304 Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs gestellt.

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