• Polizei nahm einen 31-jährigen Fußballfan fest, der mit 8,5 Kilo Kokain gehandelt haben soll

Berlin : Polizei nahm einen 31-jährigen Fußballfan fest, der mit 8,5 Kilo Kokain gehandelt haben soll

Holger Stark

Er gilt als führender Kopf der Berliner Hooligans. Die Spezialisten der Polizei stufen ihn als hoch gefährlich ein. Als die Polizei Anfang Januar zum ersten Mal seine Wohnung durchsuchte, fanden die Beamten zwei russische Handgranaten und 70 Schuss scharfe Munition. Am Dienstagmorgen dieser Woche kamen die Fahnder schließlich erneut: Christian M., 31, soll nicht nur als Hooligan agiert, sondern auch in großem Maßstab mit Kokain gedealt haben. Diesmal wurde der bekennende Hertha-Fan mit Haftbefehl festgenommen.

Christian M. ist als einer der wenigen bundesweit wichtigen Hooligan-Führer bekannt. Der gut trainierte Kampfsportler begeistert sich nicht nur für Hertha BSC, sondern auch für die Kicker des drittklassigen BFC Dynamo - und für dessen Fans. Denn mit einer Fan-Clique um einen 36-jährigen "Oberhooligan" machte M. nach Erkenntnissen der Polizei regelmäßig Geschäfte - Drogendeals. 8,5 Kilogramm Kokain soll M. in den vergangenen Jahren von der Fan-Clique gekauft und dann weiter gehandelt haben. Straßenwert: Rund 800 000 Mark.

"Ruhig und abgeklärt" habe der Hertha-Anhänger reagiert, als ihn die Spezialisten der Polizei am Dienstagmorgen gegen 6 Uhr aus dem Bett klingelten, hieß es. Der Termin war auch als Signal an die Szene gedacht: Einen Tag später, am Mittwoch, fand in den Niederlanden das mit Sorge beobachtete Länderspiel zwischen Deutschland und Holland statt. Bereits bei den letzten Champions-League-Heimspielen von Hertha BSC hatte M. die Auflage, sich nicht in der Nähe des Stadions aufzuhalten.

Offiziell ist der 31-Jährige zwar als Student eingeschrieben. Nach Erkenntnissen der Ermittler betreibt er aber im Ostteil Berlins einen Szeneladen namens "Kategorie C". Der Name als Programm: Unter dieser Bezeichnung führt die Polizei die gewalttätigen Fußballfans. M. handelte nach Polizeierkenntnissen in seinem Laden mit den einschlägigen Hool-Devotionalien, teilweise auch verfassungswidrigen Kennzeichen. Darunter fallen alte Nazisymbole und neuere Ersatzzeichen der rechtsradikalen Szene. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deswegen.

Das erste Mal fiel Christian M. den Beamten 1993 auf. Bei einer Schlägerei zwischen Berliner Fans und Anhängern von Hannover 96 und dem HSV auf einer Wiese am Schlachtensee wurde M. identifiziert, ein Verfahren gegen ihn später eingestellt. Als beim DFB-Pokalendspiel 1999 zwischen Werder Bremen und Bayern München in einem Wohngebiet an der Jannowitzbrücke rund 150 Hooligans verschiedener Klubs aufeinander los gingen, nahmen die Einsatzkräfte auch M. fest. Später stellten die Ermittler fest, dass es M. gewesen sein muss, der die Schlägerei organisiert hat. Der Besitzer eines Kampfhundes genießt bundesweit in Hooligan-Kreisen einen hervorragenden Ruf und wird als einer der überregionalen "Rädelsführer" mit guten Kontakten eingestuft.

Im Oktober 1998 hatte das Berliner Landeskriminalamt in einem Großeinsatz losgeschlagen und das "Hooligan-Drogenkartell" zerschlagen. Rund ein Dutzend Personen wurden damals festgenommen, darunter ein 36-Jähriger als Drahtzieher. Der Chef packte in der Haft aus; seitdem rollen die Fahnder den Drogenring Stück für Stück auf. Mittlerweile gehören mehr als 20 Personen zu den Beschuldigten.

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