Berlin : Polizei nimmt verurteilten Autobrandstifter fest

Verdächtiger wurde nach Feuer in Kreuzberg aufgegriffen. 28-Jähriger hatte im Frühjahr eine Bewährungsstrafe erhalten

Tanja Buntrock,Martin Schwarzbeck
Abgeführt. Vor fast genau einem Jahr wurde der Verdächtige schon einmal gefasst. Beamte hatten seine Hände und Füße eingewickelt, um Spuren zu sichern. Foto: Andreas Markus
Abgeführt. Vor fast genau einem Jahr wurde der Verdächtige schon einmal gefasst. Beamte hatten seine Hände und Füße eingewickelt,...Foto: Andreas Markus

Kurz nach 4 Uhr griffen die Ermittler in Kreuzberg zu. In der Böckhstraße waren wenige Minuten zuvor am Mittwochmorgen zwei Motorräder in Flammen aufgegangen, auch ein Auto brannte, da nahmen die alarmierten Polizisten in der Schönleinstraße einen Mann fest. Dieser sei „einschlägig wegen Brandstiftung“ bekannt, hieß es bei der Polizei. Der 28-jährige Thomas K. war im März vom Landgericht zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden – auf Bewährung. Nun wird er beschuldigt, erneut Fahrzeuge in Brand gesteckt zu haben.

Der 28-Jährige war der erste politisch motivierte Autobrandstifter, der in Berlin verurteilt worden war. Wochenlang hatten ihn damals die Ermittler mit versteckten Kameras überwacht und ihn schließlich auf frischer Tat ertappt – direkt vor seiner Haustür. Noch heute erinnern sich Nachbarn in der Fürbringerstraße in Kreuzberg daran, wie die Polizei damals die Scheiben der Tür einschlug, um in die Wohnung zu gelangen. Anwohner berichten, dass der Mann nicht oft zu Hause sei; die Rollläden sind am Mittwochmittag heruntergelassen.

Zu dieser Zeit wird Thomas K. von den Ermittlern des Staatsschutzes vernommen. Fahnder berichten, dass es ein Problem sei, dem Verdächtigen die konkrete Brandstiftung im aktuellen Fall nachzuweisen, damit es für eine Vorführung beim Haftrichter reiche. Offenbar hat die Polizei den Mann nicht auf frischer Tat, sondern nur in Tatortnähe erwischt.

Die Gewerkschaft der Polizei forderte dennoch ein „deutliches Zeichen“ der Gerichte, wie ein Sprecher sagte. „Es ist völlig unverständlich, warum die Richter nicht ihren Ermessensspielraum voll nutzen.“ Eine Bewährungsstrafe, wie sie Thomas K. erhalten habe, sei bei solch schweren Straftaten doch „Kindergeburtstag“. In einigen Fällen waren vermeintliche Autobrandstifter in der Vergangenheit aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. So auch Alexandra R. Erst im Juni hatte die Staatsanwaltschaft eine erneute Schlappe erlitten: Die Frau wurde zum dritten Mal vom Verdacht freigesprochen, im Mai 2009 in Friedrichshain einen Geländewagen angezündet zu haben.

Enttäuschend für die Ermittler fiel auch das Urteil gegen den 43-jährigen Detlef M. im August aus: Auch er wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, weil er im Mai in Friedrichshain einen BMW angezündet hatte. Ein Rentner hatte ihn dabei vom Balkon fotografiert und konnte die Polizei so auf seine Spur bringen. Das Motiv für seine Tat ließ Detlef M. im Prozess offen. M. gilt in Ermittlerkreisen als Mitglied der linken Szene. Erst vor einer Woche hatte die Polizei einen 27-Jährigen und eine 23-Jährige in Prenzlauer Berg festgenommen, die ein Auto angezündet haben sollen. Beide sitzen wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

Als Thomas K. hinter Gittern saß, erhielt er viel Unterstützung aus der linken Szene. Während der sechsmonatigen Untersuchungshaft gründete sich eine Solidariäts-Gruppe. Die Unterstützung hörte allerdings auf, nachdem K. seine Taten vor Gericht gestanden hatte. Es gilt in der linken Szene als Grundsatz, keine Aussagen gegenüber Polizei und Justiz zu machen. Nach dem Geständnis wandte sich die „Soli-Gruppe“ enttäuscht von ihm ab.

Der Anschlag in Kreuzberg blieb nicht der einzige in der Nacht zu Mittwoch. In der Rauchstraße in Hakenfelde wurde ein Auto in Brand gesteckt, auch in der Raoul-Wallenberg-Straße in Marzahn ging ein Wagen in Flammen auf. Dort soll ein Verdächtiger gesehen worden sein, der per Fahrrad flüchtete. Unerkannt.

In Rudow konnte ein Autofahrer zwei brennende Fahrzeuge löschen. Gegen 5.20 Uhr hatte der 60-Jährige Flammen an einem Lastwagen in der Neuköllner Straße entdeckt. Nachdem er sein Auto gestoppt hatte, nahm er sich einige Äste und schlug das Feuer aus. Einen in unmittelbarer Nähe abgestellten Mitsubishi, der ebenfalls angezündet worden war, konnte der Mann ebenfalls löschen. Nur eine halbe Stunde später war es ein Polizist auf dem Weg zum Dienst, der Schlimmeres verhinderte: Er sah Feuer an einem Ford im Bildhauerweg Ecke Sattlerstraße in Rudow und löschte die Flammen.

Seit gut einem Monat sorgt die Serie von Brandstiftungen an Autos in vielen Stadtteilen Berlins für bundesweites Aufsehen. Seit Jahresanfang wurden weit über 500 Autos durch Feuer zerstört und beschädigt. Die Polizei ist mit hunderten Fahndern Nacht für Nacht im Einsatz.

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