Berlin : Polizei sprengte Nazi-Party

Spezialeinsatzkommando beendete Fest der „Vandalen“ sehr schnell. Die Rechtsradikalen feierten in einem Lokal des Bezirksamts Köpenick

Jörn Hasselmann

Eine größere Party war dem Gastwirt angekündigt, bis zu 250 Leute, Mietvertrag bis 5 Uhr früh, Grill im Garten und Livemusik. Der Pächter des Casinos vom Sportverein „TSV Eiche Köpenick“ wurde nicht mal argwöhnisch, als die beiden Männer bei den Vertragsverhandlungen ankündigten, „dass vielleicht abends mal die Polizei vorbeischaut“. Begründung: „Wir trinken gerne was, und dann werden wir etwas lauter.“ „Wir“ – das war am Sonnabend die Neonazitruppe „Vandalen“, die sich konspirativ zur Feier ihres 21. Geburtstages verabredet hatte.

Dem Wirt Kai-Uwe B. hatten sich die Vandalen nach Tagesspiegel-Informationen offen als Vandalen vorgestellt. Besondere Pointe: Die Kneipe gehört dem Bezirk Köpenick, die Neonazis feierten also diesmal in öffentlichem Eigentum. Köpenicks Bürgermeister Klaus Ulbricht (SPD) reagierte am Sonntag entsetzt: “Wir müssen schnell klären, wie es dazu kommen konnte.“

Wie in den Vorjahren verdarb die Polizei die Feier. Um 21.30 Uhr stürmten 370 Polizisten den Ort, Das Spezialeinsatzkommando vorneweg, – zur totalen Verblüffung des Pächters und zum absoluten Ärger der Vandalen. Unter den Gästen waren nach Einschätzung des Polizei-Staatsschutzes „bekannte Rechtsextremisten aus dem ganzen Bundesgebiet“, darunter der frühere Kroatien-Söldner Eckart B. und Oliver Schweigert, einst Anführer der „Nationalen Alternative“ in Berlin sowie Mitglieder der rechtsextremistischen Bands „Landser“, „DST“ („Deutsch, Stolz Treu“) und „Spreegeschwader“. Die Vandalen hatten sich1982 in der DDR gegründet, der Verfassungsschutzbericht gönnt der Gruppe eine ganze Seite.

Vier der 160 Anwesenden wurden kurzzeitig festgenommen, sieben Anzeigen geschrieben: Widerstand, verfassungsfeindliche Kennzeichen, versuchte gefährliche Körperverletzung, aber auch Trunkenheit am Steuer. Juristisch also angesichts der Größe des Polizeieinsatzes eine magere Ausbeute. Aber dem Polizeieinsatzleiter geht es um die Verunsicherung der Szene. Klar sei gewesen, dass die Vandalen an einem September-Wochenende wieder ihre Geburtstagsfeier organisieren würden, sagte der Leitende Polizeidirektor Michael Knape gestern dem Tagesspiegel. Von der Spezialeinheit „Politisch Motivierte Straßengewalt“ (PMS) sei dann das Lokal schon am späten Sonnabendnachmittag entdeckt worden – die Vandalen waren beim Aufbau aufgefallen. Dann wurde gewartet, bis sich der Saal füllt – und mehrere Hundertschaften der Polizei in die Wendenschloßstraße geschickt. „Die PMS war wieder hellwach“, lobte Knape die Einheit, die sich seit über zehn Jahren intensiv mit der rechten Szene beschäftigt – und alle kennt.

Aber auch die Vandalen hätten ihre Party gut vorbereitet. Es seien sogar richtige Eintrittskarten gedruckt worden, berichtet der Einsatzleiter. Doch die Polizei drehte der dort auftretenden, bislang nicht der Polizei aufgefallenen Band sofort den Strom ab; und danach beendete der Pächter das Fest. „Wegen arglistiger Täuschung“ wollte sich Pächter Kai-Uwe B. nicht mehr an den Mietvertrag halten – und riegelte gegen Mitternacht die Türen zu. Darüber waren die Vandalen genauso sauer wie über den Polizeieinsatz – und drohten Ungemach an. Die Polizei musste den Mann in der Folge vor seinen Gästen schützen; es hagelte Platzverweise. Die letzten Vandalen verschwanden gegen 1.15 Uhr, in Köpenick kehrte Ruhe ein.

Polizeidirektor Knape nimmt dem Pächter ab, dass er keine Ahnung hatte, wen er dort beherbergt. „Der wurde hinters Licht geführt. Der war minutenlang völlig geplättet, nachdem wir dort reinmarschiert sind“, sagte Knape. Doch Pächter B. kannte zumindest den wahren Namen seiner Gäste: „Die sagten, sie heißen Vandalen und feiern ihren Jahrestag. Ich war wohl sehr blauäugig.“

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