Berlin : Polizei sucht Sprayer wegen versuchten Totschlags

Nach der Attacke auf 55-Jährigen sichten Augenzeugen jetzt Fotos bekannter Graffiti-Straftäter

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Die Polizei ist optimistisch, den unbekannten GraffitiSprayer festzunehmen, der am frühen Sonnabend einem Mann einen Schraubenzieher in den Oberkörper rammte, als dieser einen Komplizen festhielt. Wie berichtet, hatten das 55-jährige Opfer und seine gleichaltrige Frau auf dem S-Bahnhof Rathaus Steglitz gegen 0.50 Uhr beobachtet, wie ein Jugendlicher mit einem schwarzen Stift einen Waggon beschmierte. Der Mann hatte den Jugendlichen festgehalten, als dieser flüchten wollte. Unvermittelt war ein zweiter Jugendlicher hinzugekommen und hatte mit einem Schraubenzieher zugestochen. Der Mann brach schwer verletzt zusammen, die Ehefrau erlitt einen Schock, die beiden Jugendlichen flüchteten.

Die Ermittlungen wegen versuchten Totschlags hat die Sonderkommission „Graffiti in Berlin“ (GiB) übernommen. Die Spezialisten haben zwei Ermittlungsansätze: ihre große Lichtbilderkartei von erwischten Straftätern und eine riesige Sammlung von „Tags“ und „Pieces“ also den typischen Namenskürzeln und den großformatigen bunten Sprühbildern. Den Zeugen der Straftat auf dem Bahnhof werden jetzt die Fotos der in der Kartei erfassten Täter vorgelegt. Neben der Ehefrau soll es eine Reihe weiterer Zeugen geben, die viel gesehen haben, hieß es.

Die 1994 gegründete Soko „GiB“ zählt etwa 300 Sprayer zum „harten Kern“ der Szene. Manche wurden schon mehrere hundert Mal erwischt, etwa 1000 Täter, die etwa 3600 Taten begangen haben, ermittelt die GiB pro Jahr. Aufklärungsquote: 60 Prozent. Jede der etwa 30 bis 100 „Crews“ (Banden) habe eine klare Arbeitsteilung: „Ein Teil sprüht, ein Teil sichert, ein Teil fotografiert“, sagte ein Ermittler. Hauptziel der Täter sind Bahnhöfe und Waggons – weil ihre „Werke“ dort später von vielen Menschen gesehen werden. Allein die Berliner S-Bahn musste im Jahr 2004 vier Millionen Euro für die Vandalismus-Beseitigung ausgeben, etwa 150 000 Schmierereien wurden beseitigt.

Die Polizei berichtet seit Jahren von einer steigenden Gewaltbereitschaft der Szene. In der jüngsten Kriminalstatistik heißt es, dass sich diese „insbesondere gegen privates Wach- und Sicherheitspersonal der Verkehrsbetriebe richtet“. Mehrfach sind Polizisten und Wachleute von erwischten Sprayern geschlagen und getreten worden. Wegen versuchten Totschlags hatte die GiB zuvor erst einmal ermittelt – gegen einen 18-Jährigen, der einen Verteilerkasten besprüht hatte und dann fünf Mal mit einem Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge auf einen Angestellten eines Sicherheitsdienstes eingestochen hatte. „Bislang ein Einzelfall“, hatte der Leiter der GiB, Marko Moritz, im Frühjahr auf dem Anti-Graffiti-Kongress noch gesagt. Nun hat es den zweiten Totschlagsversuch gegeben. Ha

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