Berlin : Polizei: Überfall in Bus ohne rassistisches Motiv Hooligans als Täter vermutet

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Der Überfall auf eine Gruppe Jugendlicher in einem Bus hat nach den Erkenntnissen der Polizei keinen rassistischen Hintergrund. Die Ermittlungen des polizeilichen Staatsschutzes hätten ergeben, dass es sich bei dem Vorfall offenbar um eine zunächst verbale Auseinandersetzung handelte, „die dann eskalierte“. Laut LKA-Chef Peter-Michael Haeberer zählen die noch nicht ermittelten Schläger möglicherweise zu einer Hooligan-Clique. Bei dem Überfall, der sich in der Nacht zu Sonntag in Steglitz ereignete, wurden zwei junge Männer, ein 17-jähriger Deutscher aus Kreuzberg und ein 17-jährigen Iraner aus Tempelhof, verletzt. Nach Angaben der Polizei haben sowohl die verletzten Jugendlichen als auch ihre drei Begleiterinnen und unabhängige Zeugen übereinstimmend ausgesagt, dass die Täter ihrem Aussehen und der Kleidung nach der rechten Szene zuzuordnen sein könnten. Ausländerfeindliche Äußerungen habe es jedoch nicht gegeben, stattdessen hätten die Täter den Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Saudi-Arabien mit „Deutschland, Deutschland – Olé, Olé“ gefeiert. Zudem gebe es keine Hinweise darauf, dass die Männer sich gezielt den iranischen Jugendlichen auf Grund seiner Herkunft als Opfer ausgewählt haben, teilte die Polizei mit. Das Ermittlungsergebnis stößt bei den Eltern der Jugendlichen auf Unverständnis. Man frage sich, was eine fremdenfeindliche Aktivität sei, wenn nicht diese.

Der Fall hatte Aufsehen erregt, weil ein Mitarbeiter der Polizeipressestelle ihn als „nichts Besonderes“ und als typische Auseinandersetzung unter Jugendlichen abgetan hatte. Für diese Äußerung hatte sich am Dienstag Polizeipräsident Dieter Glietsch entschuldigt. An der Entschuldigung hielt Glietsch gestern fest. Unabhängig von der Motivation der Täter könne man nicht einen solchen Vorfall mit „Gewalt bagatellisierenden Äußerungen“ kommentieren. Darüber herrsche auch Einigkeit in der Pressestelle. Nach den intensiven Ermittlungen des Staatsschutzes könne man nun „mit Fug und Recht sagen“, dass es keinen fremdenfeindlichen Hintergrund gebe. Sigrid Kneist

Übergriffe in Bus und Bahn

Die Behörden haben 2001 insgesamt fünf gewalttätige Übergriffe mit rechtsradikalem Hintergrund in Bussen und Bahnen registriert. Diese Zahl nannte Verfassungsschutzchefin, Claudia Schmid, gestern im parlamentarischen Verfassungsschutzausschuss. In diesem Jahr geht sie von bislang einem Fall aus, wobei eine libanesische Familie in einer Straßenbahn von Rechtsradikalen bespuckt und geschlagen wurde. tob

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