• Polizei und Feuerwehr haben mit viel Geld ihre elektronischen Systeme für den Datumswechsel aufgerüstet

Berlin : Polizei und Feuerwehr haben mit viel Geld ihre elektronischen Systeme für den Datumswechsel aufgerüstet

Werner Schmidt

Millionen wurden investiert, nun fühlen sich Polizei, Feuerwehr und Innenverwaltung "millenniumssicher". Die Behörden sehen dem Jahrtausendwechsel "mit gespannter Gelassenheit" entgegen. Sie fühlen sich gewappnet, räumen aber ein Restrisiko ein. Doch selbst für die unwahrscheinlichsten Fälle, die mit dem Datumswechsel auftreten könnten, sei Vorsorge getroffen worden.

Bei der Polizei ist man sich sicher, den bevorstehenden Datumswechsel schadlos zu überstehen: "Für den Fall von Störungen hat die Polizei Ausweichmöglichkeiten vorbereitet", sagte Landesschutzpolizeidirektor Gernot Piestert. Seit 1998 befasst sich eine Arbeitsgruppe der Polizei mit dem Jahr-2000-Problem, bei dem davon ausgegangen wird, dass Computer die Doppel-Null des Jahres 2000 falsch als 1900 interpretiert, und es daher zu Systemabstürzen kommen könnte. Denn die Jahreszahl wird im Computersystem nur durch zwei - statt vier - Ziffern dargestellt. Um die elektronischen Datenverarbeitungssysteme tauglich für den Datumswechsel zu machen, wendete die Behörde rund vier Millionen Mark auf.

Alle Feuerwachen wurden mit Notstromaggregaten ausgestattet, in der Leitstelle seien die Computer für 100 000 Mark modernisiert worden, sagte Landesbranddirektor Albrecht Broemme gestern.

"Wir sind bestmöglich vorbereitet", bestätigte Innenstaatssekretär Kuno Böse. In der Lagezentrale der Innenverwaltung werde eigens ein Arbeitsstab eingesetzt. Dieser könne in Notfällen mit Fachleuten aus den Bereich Sicherheit und Katastrophenschutz verstärkt werden. Es bestehe außerdem ständig Verbindung mit dem Einsatzstab des Bundesinnenministeriums, sagte Böse, nach dessen Auffassung es gilt, eine "Gratwanderung zwischen Hysterie und notwendiger Vorsorge zu bewältigen".

Polizei und Feuerwehr stehen zum Jahreswechsel vor ihren größten Herausforderungen. Traditionell seien Silvesternächte für die Feuerwehr "mit einem enormen Anstieg des Einsatzaufkommens verbunden. In einer solchen Nacht hat die Berliner Feuerwehr so viele Brände abzuwickeln wie die Berufsfeuerwehr Wien in einem ganzen Jahr", sagte Broemme. Es werden insgesamt 3000 Hauptamtliche und freiwillige Feuerwehrmänner sowie Mitarbeiter der Hilfsdienste im Einsatz sein: "Wir können intern davon ausgehen, dass die Feuerwehr einsatzbereit ist." Bundesweit sind laut Broemme in dieser Nacht 200 000 Feuerwehrmänner unterwegs. Die Berliner Feuerwehr ist darauf vorbereitet, in den ersten Stunden des neuen Jahres bis zu 1000 Brände zu löschen. Die Zahl stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich. In den ersten sechs Stunden des Jahres 1998 musste die Feuerwehr zu 350 Bränden ausrücken, das Jahr darauf waren es bereits 450 Brandeinsätze. Albrecht Broemme bittet darum, vor allem die Balkone freizuräumen, um zu verhindern, dass eine verirrte Silvesterrakete Gerümpel entzündet.

Auf der rund fünf Kilometer langen Festmeile entlang des 17. Juni hat die Polizei umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen: "Wir hoffen, dass auf dieser Strecke mit zahllosen attraktiven Angeboten die Besucherströme entzerrt werden", sagte Piestert. Stadtweit sind in der Silvesternacht 8500 Polizeibeamte eingesetzt. Die 7750 Berliner Beamten werden unterstützt von 750 Kollegen aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Brandenburg sowie vom Bundesgrenzschutz.

Piestert machte gestern deutlich, dass die Beamten und Ordner an den Einlasskontrollen niemanden auf die Festplätze lassen werden, der Feuerwerkskörper bei sich hat. Derjenige müsse entweder auf den Besuch verzichten oder sein Feuerwerk an einem der sechs bis sieben dafür vorgesehenen Orten unter Polizeiaufsicht abbrennen. Dies sogenannten Abbrenn-Orte werden an der Hofjägerallee, der Altonaer Straße und im Spreeweg eingerichtet. Außerdem wird es zwei Standorte am Pariser Platz geben und einen oder zwei auf dem Platz vor dem Roten Rathaus, sagte Piestert.

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