• Polizei verliert Verdächtigen aus den Augen: Berliner Terrorsympathisant konnte ungehindert ausreisen

Polizei verliert Verdächtigen aus den Augen : Berliner Terrorsympathisant konnte ungehindert ausreisen

In der Überwachung der Berliner Dschihadisten-Szene gab es bei den Sicherheitsbehörden offenbar Engpässe.

von
Mit dem Rammbock unterwegs: Am 8. September 2011 durchsuchten Polizisten die Ar-Rahman-Moschee. Foto: dapdAlle Bilder anzeigen
Foto: dapd
08.09.2011 19:28Mit dem Rammbock unterwegs: Am 8. September 2011 durchsuchten Polizisten die Ar-Rahman-Moschee.

Berlin - Nach Informationen des "Tagesspiegel" (Mittwochsausgabe) konnte einer der beiden am vergangenen Donnerstag in Berlin festgenommenen Terrorverdächtigen, der Deutschlibanese Samir M., im August 2010 aus Deutschland ausreisen, obwohl er als gefährlich bekannt war und ihm im September 2009 am Flughafen Berlin-Tegel der Flug nach Istanbul verwehrt worden war. Außerdem entzog ihm damals das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten den Reisepass. Im August 2010 hingegen konnte Samir M. nach Istanbul reisen. Über die türkische Metropole werden häufig Dschihadisten in Richtung Pakistan und Afghanistan geschleust, um dort am "Heiligen Krieg" teilzunehmen. Erst im Oktober 2010 kehrte Samir M. nach Berlin zurück, nachdem ihn die türkischen Behörden aufgegriffen und nach Deutschland zurückgeschickt hatten. In Sicherheitskreisen wird nicht ausgeschlossen, dass Samir M. im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet gewesen sein könnte.

Damit weite sich ein "Skandal" aus, der mit einem vergleichbaren Fall begonnen habe, sagte Guido Steinberg, Terrorismusexperte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik und ehemaliger Terrorismusreferent im Bundeskanzleramt, am Dienstag dem "Tagesspiegel". Ebenfalls im August 2010 war der Dschihadistensympathisant Fatih K. aus Berlin verschwunden, obwohl die Bundesanwaltschaft gegen ihn ermittelte und der Bundesgerichtshof den Haftbefehl nur unter Auflagen außer Vollzug gesetzt hatte. Eine der Auflagen war, dass Fatih K. sich regelmäßig bei der Berliner Polizei melden musste. Fatih K. wurde dann in der Türkei von der Polizei festgenommen. Im April 2011 verurteilte ihn das Kammergericht Berlin zu 22 Monaten Haft wegen Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung.

Die Beobachtung der Verdächtigen überfordert die Polizei offenbar. Weiter auf der nächsten Seite.

Seite 1 von 2
  • Berliner Terrorsympathisant konnte ungehindert ausreisen
  • Seite
Artikel auf einer Seite lesen

33 Kommentare

Neuester Kommentar