Berlin : Polizei vermutet die Ursache bei den Wasserbetrieben

Amelie Kutter

"Es müssen schon mehrere Kubikmeter tote Fische gewesen sein, die wir Freitagmittag im Bereich des Urbanhafens abgefischt haben. Am Sonnabend an der Unterschleuse waren es ungefähr 5000 Fische", erzählt Andreas Neuber, Schichtleiter auf der Wache 2 der Wasserschutzpolizei. Die Ursache für das Fischsterben im Landwehrkanal am letzten Wochenende ist aber noch nicht geklärt.

Wie Andreas Neuber sagt, werden die am Freitag entnommenen Wasser- und Fischproben noch im Landesveterinäramt untersucht. Der Verdacht auf Gifteinleitung als Grund für den massenhaften Fischtod ist also noch nicht vom Tisch. Ein Mitarbeiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie hatte ihn am Freitag geäußert. Peter Schirmer, der Leiter der Abteilung Wasser und Boden in der Senatsverwaltung möchte ihn dagegen nicht bekräftigen.

Er vermutet etwas anderes: Zwar sei weder am Donnerstag noch am Freitag tagsüber viel Regen gefallen. Starke Regengüsse nach langer Trockenzeit bringen das innerstädtische Mischwassersystem oft zum Überlaufen und den Sauerstoffhaushalt der Kanäle völlig durcheinander. Die Fische ersticken dann schlicht. Schirmer hält es für wahrscheinlicher, dass die Fische auch am Freitag dieses "gewöhnlichen Todes" starben. "Am Sonnabend hat es im Umlauf der Unterschleuse stark nach Kläranlage gerochen", begründet er seine Annahme.

Wie kann es ohne Regengüsse aber zum Überlaufen der Kanalisation kommen? Schirmer vermutet den schwarzen Peter bei den Wasserbetrieben. "Wir nehmen an, dass die Berliner Wasserbetriebe einen Schmutzstau im Ableitungssystem hatten und es wegen Verengung zum Überlauf kam". Schirmer deutet an, dass der Sanierungsbescheid, der die Berliner Wasserbetreibe seit letztem Jahr zur Erneuerung der Kanalsysteme verpflichtet, nicht ordentlich umgesetzt werde. In jedem Fall müsse mit dem Unternehmen geklärt werden, wer die zusätzlichen Aufwendungen zu tragen habe.

Um das Fischsterben zu stoppen, hatte die Wasserbehörde nicht nur mit dem Belüftungsschiff "Rudolf Kloos" Sauerstoff einleiten lassen (am Urbanhafen), sondern auch das Technische Hilfswerk eingeschaltet (an der Unterschleuse). Das Belüftungsschiff, seit 1995 vor allem auf dem Landwehrkanal, dem Neuköllner Schifffahrtskanal und dem Teltow-Kanal in Betrieb, kommt auch vorsorglich zum Einsatz, wenn wie am vergangenen Wochenende, ein starker Wetterumschwung erwartet wird. Dies war im Landwehrkanal allerdings nicht der Fall: Auf die toten Fische am Freitag hatte die Wasserschutzpolizei aufmerksam gemacht.

Von der Seite der Wasserbetriebe war gestern zu dem Vorfall und zu den Vorwürfen der Senatsverwaltung nichts in Erfahrung zu bringen. Der Sprecher stand den ganzen Tag über zu einer Stellungnahme nicht zur Verfügung.

Mittlerweile schwimmen die verbleibenden Fische im Landwehrkanal wieder mit dem Bauch nach unten. Der Schwan, der ebenfalls als Opfer der Vergiftung aus dem Kanal gerettet wurde, ist nach Andreas Neubers Worten wieder wohlauf. "Tote Enten hatten wir auch vorher schon diverse", fügt er hinzu. Es sei unwahrscheinlich, dass ihr Verenden mit dem Fischtod etwas zu tun habe. Grund für vereinzelte tote Enten sei in der Regel die sommerliche Algenblüte aufgrund des Sauerstoffmangels in den Gewässern. Beim Gründeln können sich die Tiere extrem giftige Botulismus-Erreger zuziehen. Diese werden bei großer Hitze oder Überdüngung von Bakterien in flachen Gewässern produziert und können schnell zu Lähmungen des Nerven- und Atmungssystems führen.

Auch die vielen toten Ratten in der Umgebung des Landwehrkanals sind nach Neuber kein Beweis für Vergiftung. "Wir haben hier in Kreuzberg noch alte Kanalisationsanlagen". In denen hausten die Ratten den Sommer über. Beim ersten Regenguss ertrinken sie.

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