Berlin : Polizei verteidigt Saberschinsky

Werner Schmidt

Auf ungewöhnliche Art hat sich die Polizeiführung gestern vor den ausgeschiedenen Polizeipräsidenten gestellt: In einem offenen Brief nahm sie Hagen Saberschinsky gegen massive Vorwürfe des Berliner Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Eberhard Schönberg, in der "Zeit" in Schutz.

Schönberg schreibt in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung, Saberschinsky habe nach 9-jähriger Amtszeit eine "tief verunsicherte, schlecht geführte und miserabel ausgestattete Behörde mit veralteten Strukturen und einem unglaublichen Reformstau" hinterlassen. Er nannte die Behörde "eine Ansammlung von uniformierten Duckmäusern". Saberschinsky habe sie vor der Öffentlichkeit abgeschirmt, wodurch der Eindruck entstand, die Polizei habe etwas zu verbergen.

Zum Thema Newsticker: Aktuelle Meldungen aus Berlin und Brandenburg "Versunken in Aktenbergen praktizierte Saberschinky einen autokratischen Führungsstil der 60er Jahre", so Schönberg. Es habe sich "eine geistige Monokultur" entwickelt, die zu "absurden Ritualen" geführt habe: "Führungskräfte müssen einander ständig die Meinung des Polizeipräsidenten vorbeten, um in der Behörde beruflich überleben zu können." Es entstand ein "Klima des vorauseilenden Gehorsams und der Angst".

"Zutiefst angewidert" seien sie von dem Artikel, schreiben der Landesschutzpolizeidirektor Gernot Piestert, der amtierende LKA-Chef Peter-Michael Haeberer und Saberschinskys früherer Stabsleiter Michael Dörr. Schönberg habe sich "disqualifiziert". Es mangele ihm an Kompetenz, um den Führungsstil Saberschinskys beurteilen zu können.

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