Berlin : Polizei wirbt um türkische Auszubildende

Innensenator Ehrhart Körting will zweisprachige Bewerber besonders berücksichtigen

Sabine Beikler,Jörn Hasselmann

In der Integrations-Debatte hat Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) speziell geschulte Polizeibeamte gefordert. Durch den verstärkten Einsatz von Türkisch oder Arabisch sprechenden Ermittlern könne gezielter gegen ausländische Straftäter vorgegangen werden. So weit will Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) nicht gehen. Er kündigte aber an, dass das Ausbildungsprofil von Polizei-Azubis verändert werden soll. „Zweisprachige Bewerber werden künftig besonders berücksichtigt“, sagte Körting dem Tagesspiegel.

Nach Angaben der Innenverwaltung arbeiten zurzeit 17 000 Beamte bei Schutz- und Kriminalpolizei. Davon sprechen 100 bis 120 Beamte neben Deutsch entweder Türkisch oder Arabisch. Es ist jedoch nicht erfasst, in welchen Bereichen diese Beamten arbeiten, da sie entweder einen deutschen Pass oder die doppelte Staatsangehörigkeit besitzen. Die Polizei hätte offenbar seit längerem gerne Kandidaten nicht-deutscher Herkunft eingestellt, nur: Bei türkisch- oder arabischstämmigen Polizeianwärtern habe es immer wieder Probleme mit der deutschen Schriftsprache gegeben, sagte Körting. Solche „Mängel“ sollen bei den Eingangstests künftig durch das muttersprachliche Können ausgeglichen werden können. Schönbohms Vorschlag, ausländische Sonderermittler im Polizeidienst einzustellen, bezeichnet Körting hingegen als „abwegig“. Die Beobachtung von Muslimen, die ihre Religion für staatsfeindliche Ziele missbrauchten, sei nicht „Aufgabe eines normalen Polizisten“. Dafür habe man Experten beim Verfassungsschutz, sagt der Innensenator.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßt Körtings Vorschlag grundsätzlich. Der Einsatz von türkisch- und arabischsprachigen Polizisten sei vor allem in Bezirken mit hohem Ausländeranteil wie Neukölln oder Wedding sinnvoll. Das Gleiche gelte für den Bereich der organisierten Kriminalität. Schon jetzt arbeiten bei dem für politische Delikte zuständigen Staatsschutz Beamte mit Herkunft aus dem Nahen Osten. Als vor zwei Wochen radikale Islamisten in Berlin demonstrierten, liefen diese Beamten am Rande – ohne bemerkt zu werden – mit. Die Kenntnisse von Sprache und Mentalität seien die größten Vorteile, heißt es deshalb bei der Polizeiführung. Ab und zu würden ausländische Beamte allerdings von ihren ehemaligen Landsleuten als „Verräter“ beschimpft, in Einzelfällen auch angegriffen.

Ob Körtings Vorschlag in absehbarer Zeit umgesetzt werden kann, ist fraglich: Denn in Berlin werden momentan keine jungen Polizisten ausgebildet. Das könne laut Körting aber „im günstigsten Fall schon 2005/2006“ wieder der Fall sein. Die Gewerkschaft der Polizei geht jedoch davon aus, dass frühestens 2007 wieder neue Auszubildende eingestellt werden. Deshalb sei die Debatte um mehr türkischsprachige Polizisten „völlig akademisch“, kritisierte Klaus Eisenreich von der GdP. Frisch ausgebildete Polizisten gebe es folglich erst 2010 wieder, sagte Eisenreich. Der Türkische Bund (TBB) hat deshalb sein 2003 gestartetes Modellprojekt für ein Bewerbungstraining türkischer Jugendlicher wieder gestoppt. Von den 20 Jugendlichen, die am ersten Kurs teilnahmen, haben mittlerweile drei einen Ausbildungsplatz bei der Polizei, sagte Kenan Kolat vom TBB. Wenn das Land den Einstellungsstopp aufhebe, würde auch der Türkische Bund neue Kurse anbieten.

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