Berlin : Polizei würde gerne häufiger blitzen

Wo kontrolliert wird, gehen die Unfallzahlen zurück – aber weil Personal fehlt, sinkt die Zahl der Einsätze

Tanja Buntrock

Vor einer Woche traf es unschuldige Fußgängerinnen: Zwei Frauen kamen in Berlin ums Leben, weil ein 20-jähriger Autofahrer der Polizei zufolge mit „stark überhöhter Geschwindigkeit“ fuhr. Der Mann hatte in Schöneberg die Kontrolle über seinen Golf verloren, prallte gegen einen Ampelmast und erfasste die beiden Frauen.

Nun wird darüber diskutiert, ob verstärkte Tempokontrollen der Polizei ein solches Unglück hätten verhindern können. In Berlin arbeitet die Polizei stadtweit mit 16 Blitzanlagen. Diese „Verkehrsradargeräte“ sind rund um die Uhr im Einsatz; alle befinden sich in Zivilfahrzeugen, wie Verkehrsexperte Detlef Thiele erklärt. Raser, die geblitzt werden, bekommen zusammen mit dem Verwarnungsgeld-Bescheid als Beweis ein Foto, auf dem die Geschwindigkeitsüberschreitung dokumentiert ist. Hinzu kommen 20 „Lasergeschwindigkeitsgeräte“. An diesen Stellen werden dann jene Autofahrer herausgewinkt, die zu schnell gefahren sind.

Die Berliner Polizei ist mit ihren Geräten auf durchaus modernem Stand. „Die Uralt-Geräte haben wir aus dem Verkehr gezogen“, sagt Thiele. Doch weil die Beamten immer häufiger mit Absperraktionen bei Staatsbesuchen, Demonstrationen und Veranstaltungen wie dem Berlin-Marathon eingebunden sind, können sie seltener Raser aus dem Verkehr ziehen. Im Vergleich zum Jahr 2002 sank die Zahl der von der Polizei kontrollierten Fahrzeuge von elf Millionen auf knapp neun Millionen. Während das Land Brandenburg also aufrüstet und immer mehr Blitzer an Bundesstraßen aufbaut, kommt die Berliner Polizei ihrer Arbeit kaum hinterher.

Ob die Beamten einen so schweren Unfall wie den in Schöneberg hätten verhindern können, bleibt fraglich. Die Polizei habe „einen konkreten Auftrag“, sagt Verkehrsexperte Thiele. Der heißt: Verkehrsunfallprävention, „nicht wahlloses Abzocken“. Deshalb stünden Geschwindigkeitskontrolleure nur an „Brennpunkten“, also dort, wo erfahrungsgemäß gerast wird oder in Gegenden, die besonders geschützt werden müssten. Dies sind zum Beispiel die Umgebung von Schulen oder Zonen, in denen aus Lärmschutzgründen Tempo 30 eingeführt worden ist.

Wenn jedoch immer mehr Veranstaltungen in der Stadt angesetzt sind, dann „können an solchen Tagen nicht stadtweit alle Geschwindigkeitsmessgeräte im Einsatz sein“, sagt Thiele. Die Erfahrung zeige zwar, dass an Stellen, an denen regelmäßig kontrolliert wird, die Raserei für einen bestimmten Zeitraum unterbunden werde. „Damit geht auch die Zahl der Unfälle zurück“, sagt Thiele. Da jedoch die Polizei nicht überall gleichzeitig sein könne, müssten die Kontrollen nach einiger Zeit wieder verlegt werden, sagt Thiele. Die Folge: „Dort, wo keine Blitzer mehr stehen, steigt das Geschwindigkeitsniveau wieder an.“

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