Berlin : Polizeiaktion in Prenzlauer Berg vor einstmals besetztem Haus

Bewohner des einst besetzten Hauses, Eigentümer und Politik kehren nach Polizeieinsatz an Runden Tisch zurück

Janina Guthke/ Hannes Heine

Ein Hubschrauber kreist am Himmel, behelmte Beamte säumen die Straße, Polizeiautos sperren die Kastanienallee in Prenzlauer Berg. Die Tram fährt nicht mehr und der Verkehr staut sich. Dienstag kurz vor 8 Uhr sollte das Erdgeschoss der Kastanienallee 86 geräumt werden. Dafür bat der Gerichtsvollzieher die Polizei um Hilfe – die Räume befinden sich in einem einst besetzten Haus. Die Eigentümer haben mit den Bewohnern zwar Mietverträge, wollen aber die Nutzung des Souterrains nicht dulden. Dort ist der Umsonst-Laden eingezogen, nachdem die Brunnenstraße 183 in Mitte im Jahr 2009 geräumt worden war. Nicht mehr gebrauchte Bücher, Kleidung, Geräte können über den Laden kostenlos an Bedürftige weitergegeben werden.

Etwa 70 Bewohner stellen sich den 150 Polizisten entgegen – eher symbolisch, es bleibt friedlich. In den Gebäudeteilen rund um den Umsonst-Laden residiert das legendäre „Tuntenhaus“, eine Druckerei, ein linker Buchladen. Nach langer Diskussion handeln Bewohner und Gerichtsvollzieher einen Kompromiss aus: Der Laden im Souterrain wird für eine Woche versiegelt. Jetzt sollen Eigentümer, Bewohner und Politiker an einem Runden Tisch verhandeln. Gegen 10 Uhr rollte er Verkehr wieder.

Zufrieden sind die Bewohner aber nicht. „Der Runde Tisch ist kein Erfolg“, sagte ein Sprecher der Hausgemeinschaft. „Wir haben drei Jahre lang an Runden Tischen gesessen und noch kein Ergebnis.“ Das Vorgehen bei diesem inzwischen dritten Räumungstermin sei ein „illegaler Akt“ – die Bewohner pochen darauf, dass sie Mietverträge haben.

Besetzte Häuser gibt es nach Angaben des Senats seit 2005 nicht mehr. Strittig ist allerdings heute bei einigen Häusern die Gültigkeit der Mietverträge: Die Wohnprojekte in der Rigaer Straße 94 und der angrenzenden Liebigstraße 14 könnten demnächst geräumt werden – den Bewohnern wurde bereits gekündigt. Janina Guthke/ Hannes Heine

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