Polizeibericht : Gewalt gegen Berlins Frauen nimmt zu

Mehr als 13.000 Frauen sind im letzten Jahr Opfer von häuslicher Gewalt geworden. Trotz steigender Zahlen sieht Polizeipräsident Glietsch Fortschritte in der Bereitschaft, prügelnde Partner anzuzeigen.

Till Erdtracht[ddp]

BerlinDer Berliner Runde Tisch zur Bekämpfung häuslicher Gewalt hat nach Abschluss seiner sechsjährigen Arbeit weitere Maßnahmen beschlossen. "Das Problem ist noch nicht erledigt", sagte Frauensenator Harald Wolf (Linke) nach der letzten Sitzung des Gremiums am Donnerstag. Der Aktionsplan häusliche Gewalt 2002 - 2008 solle unter dem Dach des "Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms" fortgeführt werden. Außerdem sei die Gründung einer Fachkommission geplant, fügte er hinzu. Der Runde Tisch setzt sich aus Vertretern des Berliner Senats, der Verwaltungen sowie der Polizei und Angehörigen verschiedener Anti-Gewalt-Projekte zusammen.

Nach Angaben von Polizeipräsident Dieter Glietsch registrierte die Behörde im vergangenen Jahr 13.222 Fälle häuslicher Gewalt. Dies entspreche einem Anstieg gegenüber 2006 um 5,6 Prozent, im Vergleich zu 2002 sogar um rund 50 Prozent. Glietsch betonte, durch den Aktionsplan sei es gelungen, dass Gewaltdelikte konsequenter bei der Polizei angezeigt würden. Der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Bodo Pfalzgraf, nannte die Zahlen hingegen "erschreckend". Er forderte die Behörden auf, künftig enger zusammenzuarbeiten, um solche Delikte einzudämmen.

Die Hälfte der Frauen zieht Anzeigen zurück

Nach Angaben von Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) leitete die Amtsanwaltschaft im vergangenen Jahr 13.715 Ermittlungsverfahren wegen häuslicher Gewalt ein, die Staatsanwaltschaft 612. Aue betonte, noch immer hätten Frauen eine große Scheu, ihre Partner wegen dieser besonders "perfiden Form von Gewalt" anzuzeigen. In rund der Hälfte der Fälle zögen Betroffene die Anzeige zurück. Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums habe jede vierte Frau in Deutschland mindestens einmal im Leben Erfahrung mit häuslicher Gewalt.

Wolf betonte, das Berliner Hilfesystem sei Vorbild für andere Bundesländer und werde auch international beachtet. Ziele des Berliner Aktionsplans waren die Optimierung des Opferschutzes, die gesellschaftliche Ächtung und bessere strafrechtliche Verfolgung dieser Gewalt sowie die Präventionsarbeit. In das Hilfesystem, das unter anderem sechs Frauenhäuser, fünf Beratungsstellen und Telefon-Hotlines umfasst, hat Berlin seit Beginn des Aktionsplans pro Jahr rund sechs Millionen Euro investiert.

Seit diesem Jahr sind zusätzliche 90.000 Euro für eine verbesserte Interventionsarbeit vorgesehen. Außerdem sollen die Hilfsangebote für behinderte Frauen und Migrantinnen ausgebaut werden. Zudem müssten Ärzte und Krankenhäuser für das Thema sensibilisiert werden, hieß es. Fortgesetzt wird ferner die Präventionsarbeit an Grundschulen.

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