Berlin : Polizeichef will Kinder nicht wegschließen Glietsch gegen geschlossene Heime

Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch hat sich gegen die Unterbringung von kriminellen Berliner Kindern und Jugendlichen in geschlossenen Heimen ausgesprochen. Junge Menschen hätten die Möglichkeit verdient, in sozialpädagogischen Einrichtungen von ihrer kriminellen Karriere abgebracht zu werden, sagte Glietsch am Donnerstag bei einem Besuch im brandenburgischen Hohenselchow. Zuvor hatte er mehrere Heime für straffällig gewordene Kinder und Jugendliche des diakonischen Trägers EJF Lazarus in der Uckermark besucht.

Geschlossene Heime seien keine Alternative zu offenen Einrichtungen, in denen junge Menschen verbindlich intensivpädagogisch betreut würden, unterstrich der Polizeipräsident.

Er fügte hinzu, im Einzelfall könne es jedoch notwendig sein, gewalttätige junge Straftäter kurzzeitig geschlossen unterzubringen, beispielsweise in sogenannten „Timeout-Räumen“, in denen Jugendliche allein zu sich finden sollen.

Eine Senkung des Strafmündigkeitsalters von 14 auf 12 Jahre lehnte der Polizeipräsident kategorisch ab. Kinder seien heute mit 12 oder 13 Jahren nicht weiter als vor 30 Jahren, fügte er hinzu. Es komme darauf an, dass die Möglichkeiten der berlinfernen Unterbringung für jugendliche Straftäter noch häufiger genutzt würden. „Die Lage fern der Großstadt ersetzt Mauern und Zäune“, fügte er hinzu.

Der Vorstandsvorsitzende von EJF Lazarus, Siegfried Dreusicke, lehnt die Timeout-Räume ab. Die Frage sei aber, ob etwa mit dem Festschreiben einer „höheren Verbindlichkeit“, beispielsweise in der Hausordnung, das Weglaufen erschwert werden könne. ddp

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