Polizeichefin Margarete Koppers : "Wir wollten keine Hysterie"

Am 1. Mai wurden auf der Autonomendemo Rohrbomben gefunden. Informiert wurde die Öffentlichkeit erst jetzt. Polizeichefin Margarete Koppers im Interview zu dem Vorwurf, den explosiven Fund verschwiegen zu haben.

von
Vizepräsidentin der Berliner Polizei, Margarete Koppers.
Vizepräsidentin der Berliner Polizei, Margarete Koppers.Foto: dapd

Frau Koppers, ist Berlin am 1. Mai nur knapp einem terroristischen Anschlag entgangen?

Mit dem Begriff wäre ich sehr vorsichtig. Wir wissen noch nicht, welche Wirkung die Rohrbomben gehabt hätten und ob sie überhaupt zündfähig waren. Und selbst wenn, hätte es möglicherweise nur einen lauten Knall gegeben. Vielleicht wären nur die Pfropfen an den beiden Enden herausgeflogen.

Aber der Inhalt der Bombe ist explosiv.

Ja, das stimmt. Das Aluminiumrohr war allerdings an beiden Enden nur mit aufgesteckten und verklebten, nicht aber verschraubten Pfropfen versehen. Wären die Enden verschraubt gewesen, wäre es wahrscheinlich, dass die Rohrbomben bei einer Explosion mit vielen Splittern auseinanderfliegen. Aufgabe der Kriminaltechnik ist es jetzt, einen Nachbau der Rohrbomben zu erstellen und diesen zu testen, bevor ich sagen kann, wie gefährlich die Aluminiumrohre waren.

Wann haben Sie vom Fund der Rohrbomben erfahren?

Am späten Nachmittag des 3. Mai. Der Leiter der Abteilung Staatsschutz im Landeskriminalamt hat mir mitgeteilt, die Kriminaltechnik habe den Fund eines hochexplosiven Gemischs in einer USBV, also einer unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtung, gemeldet. Bis zu dem Zeitpunkt hatten weder der Polizeiführer für den Einsatz am 1. Mai noch ich von dem Vorgang Kenntnis.

Warum hat die Kommunikation in der Polizei nur so schleppend funktioniert?

Die Meldewege sind nicht eingehalten worden. Und leider haben die Polizisten, die in Kreuzberg die Rohrbomben entdeckten, deren potenzielle Gefährlichkeit nicht erkannt. Ich habe den Auftrag erteilt, den genauen Ablauf zu klären, um künftig korrekte Meldungen und damit auch die Sicherheit der Kollegen zu gewährleisten.

Wann genau war der Polizei bekannt, dass die Funde gefährlich sein könnten?

Die Rohrbomben sind erst in der Nacht zum 2. Mai den Entschärfern übergeben worden. Die sind zunächst davon ausgegangen, es handele sich um selbst fabrizierte Böller mit Schwarzpulver. Das wäre deutlich weniger gefährlich. Erst am 3. Mai um 14 Uhr 30 war klar: Es ist richtiger Explosionsstoff.

Seite 1 von 2
  • "Wir wollten keine Hysterie"
  • Seite
Artikel auf einer Seite lesen

16 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben