Polizeieinsätze : Sollen die Vereine die Kosten tragen?

Pro:


Jeder Berliner muss den Feuerwehreinsatz bezahlen, wenn die Beamten den Keller auspumpen oder die Katze vom Dach retten. Und auch die Polizei bittet Bürger zur Kasse, die durch einen absichtlich abgestellten Koffer einen Bombenalarm im Bahnhof provozieren. Doch wenn prügelnde, ausländerfeindliche oder homophobe Fans ein friedliches Fußballspiel zunichte machen, dann soll der Steuerzahler das bezahlen? Das ist nicht einzusehen. Wenn hunderte polizeibekannte Hooligans zur Partie Dynamo gegen 1. FC Union ins Stadion an der Alten Försterei eingelassen werden, ist Stress programmiert. Polizeipräsident Glietsch wollte die Krawallmacher deshalb präventiv nicht ins Stadion lassen. Jetzt dürfen sie nach Ausweiskontrolle doch zum Drittligaspiel. Sollten nun Flaschen fliegen und Blut fließen, müssen die Vereine dafür die Verantwortung – und auch Kosten übernehmen. Der Einsatz von Polizeieinheiten aus Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen wird schließlich teuer bezahlt. Wenn die Vereine selbst Verantwortung übernehmen, wird sich die deeskalierende Fanarbeit von selbst intensivieren, und private Ordner werden schneller für Frieden sorgen. Annette Kögel

Contra:
Die Polizei übertreibt. Der Steuerzahler versteht nicht, wieso hundert Polizisten zehn Demonstranten begleiten. Und der Fußballfreund möchte gern ein spannendes Spiel sehen. Doch schon am Bahnhof und dann im Stadion erblickt er eine germanische Streitmacht mit Helm, Handy, Knüppel und Hund. Das uniformierte Misstrauen regt nicht nur mich auf. 99 Prozent der Zuschauer, die, zum Beispiel, zum 1. FC Union in die Alte Försterei strömen, sind friedliche Bürger. Die sollten es nicht schaffen, auch ohne Hilfe der Polizei dieses eine, meist etwas alkoholisierte Prozent zur Räson zu bringen? Bin ich blauäugig? Wir brauchen eine Fankultur der Toleranz und der Erziehung zur Gewaltlosigkeit. Dafür sind Fanprojekte, die Vereine selbst und wohl auch die Fußballgötter zuständig. Die Polizei als Freund und Helfer soll, gemeinsam mit ehrenamtlichen Ordnern, für eine angenehme Atmosphäre sorgen. Und das schafft sie auch ohne übertriebenen Personalaufwand. Die Idee, Wasserwerfer, Hubschrauber, Wannen und Hundertschaften hochgerüsteter Polizisten den Vereinen in Rechnung zu stellen, hieße das Ende aller Spiele: Die Vereine, ohnehin knapp bei Kasse, machen ihren Laden dicht, weil sie die Polizei-Rechnung nicht bezahlen können. So weit darf es nie kommen, meint Steuerbürger Lothar Heinke

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