Polizeieinsatz : Auf Schlachtenseer Sommer-Streife

Bei der Polizei ist die Liegewiese am S-Bahnhof berüchtigt: Die Partys der Jugendlichen gehen oft böse aus. Das größte Problem: der hohe Alkoholkonsum. Am Freitagabend hat die Polizei die Wiese geräumt.

Jörn Hasselmann

BerlinDie Seniorchefin vom Ruderboot-Verleih bringt es auf den Punkt: "Alle Gören haben eine Pulle in der Hand – alle!“ Ein 17-Jähriger auf der Liegewiese am Schlachtensee präzisiert: "Die 15-Jährigen sind die Schlimmsten, die denken, dass sie sich beweisen müssen.“ Der Gymnasiast weiß, wie die lauen Sommerabende hier oft ausgehen. "Dann pöbeln sie und schlagen sich am Ende.“

Genau das passierte an der Badestelle am Freitagabend – im ganz großen Stil. 200 Jugendliche und Heranwachsende kamen sich ins Gehege, erst flogen Fäuste, dann Flaschen. So ziemlich jeder Anwesende, heißt es bei der Polizei, sei betrunken gewesen. Da die Stimmung, so der Polizeibericht wörtlich, "gereizt“ wirkte, wurde die Wiese geräumt – und zwar komplett. Wie berichtet, hatten 50 Bereitschaftspolizisten gegen Mitternacht die Menge zum S-Bahnhof abgedrängt. Dass es dabei kaum Widerworte gab, lag auch an den vier Diensthunden der Bundespolizei, die an ihren Leinen zerrten. Auf dem Abschnitt wurde die Räumung damit begründet, dass es vor zwei Jahren an dieser Badestelle eine üble Massenschlägerei gegeben hatte, "eine Wiederholung wollten wir vermeiden“.

An den Wochentagen ist es ruhig

Am nächsten Tag ist die Randale ein beliebtes Thema im Kiez. "Unser Lokal hatte schon zu“, sagte Metin Kosar, der Wirt vom Seestern. Sein Biergarten liegt direkt am S-Bahnhof, mit Panaromablick über die Badewiese, die ursprünglich als Park angelegt wurde. An Wochentagen sei es hier "friedlich“, sagt Kosar. An den Wochenenden parke eine Polizeistreife an der Liegewiese und auch das Ordnungsamt sei präsent: "Das schreckt ab, das ist gut.“ Auf dem Polizeiabschnitt 43 nennen sie diese Kollegen „Schlachtenseer Sommer-Streife“.

Dass die Wiese am Sonntagmittag wieder aufgeräumt ist, liegt aber nicht am Grünflächenamt – sondern an Michael Riedel, der seit Stunden den Rasen recht. Riedel , nach eigenen Angaben Mathelehrer am Gymnasium, macht das freiwillig: "Immer am Wochenende, wenn der Bezirk nicht arbeitet.“ Das Ergebnis liegt am Wegesrand: ein Querschnitt durch ein Supermarkt-Schnapsregal, vor allem Wodka. Am vergangenen Wochenende, sagt Riedel, habe er 268 Einwegflaschen von der Wiese gesammelt. "Die Pfandflaschen lasse ich den Obdachlosen liegen.“ Den Rest karre er zum Altglascontainer. Und da kommen auch schon drei Männer vom Uferweg hoch, grüßen Riedel, und ziehen bepackt mit seinen blauen, klirrenden Säcken zum S-Bahnhof.

Die Sonne steht noch hoch am Himmel, doch die ersten Jugendlichen sind schon da. Mit Freunden sitzen sie zum Bräunen auf der Wiese, jeder eine Flasche Becks in der Hand. Der Alkoholkonsum sei schon enorm, sagt einer von ihnen mit Blick auf die Riedel’sche Flaschensammlung. Gestern berichtete die Polizei von einer 16-Jährigen, die am Sonntagfrüh in der Nähe volltrunken von Sanitätern aufgelesen wurde. Sie kuriert ihre Alkoholvergiftung nun auf der Intensivstation aus. Wo sie gefeiert hat, konnte sie nicht sagen. Bei der Polizei hieß es: möglicherweise am Schlachtensee.

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