Berlin : Polizeifunk: "Wir brauchen dringend Unterstützung!"

LORENZ MAROLDT

BERLIN .Die Polizei ist offenbar beim Einsatz vor dem israelischen Generalkonsulat von einer bewaffneten Kurden-Gruppe überrascht worden, die sich dort unbemerkt versammeln und verstecken konnte.Dies ist aus dem internen Funkverkehr der Polizei zu schließen, der dem Tagesspiegel als Aufzeichnung vorliegt.Aussagen von Polizisten und beteiligten Kurden bestätigen dies.Wie in einer so angespannten Situation am Tag nach der Besetzung des Griechischen Konsulats eine größere Gruppe mit Eisenstangen bewaffneter PKK-Anhänger unbemerkt zum hoch gefährdeten Israelischen Konsulat ziehen konnte, hat Innensenator Werthebach bisher nicht erklären können.Vor der heute mit Spannung erwarteten Innenausschuß-Sitzung besichtigten Werthebach und Staatssekretär Böse am Sonnabend ohne Ankündigung den Tatort.Sie verweigerten jegliche Antwort und verwiesen auf die Ausschußsitzung.

 

Auszüge aus dem Funkverkehr der Polizei vom vergangenen Mittwoch: 13.22 Uhr, ein Funkspruch: Hier Amsel zwo.Cirka 30 relevante Personen mit dem Bus ausgestiegen, Kurfürstendamm, kommen jetzt aus Richtung Adenauerplatz Richtung türkisches Generalkonsulat.- Weide zwo-null.Verstanden.(Zu dieser Zeit ist die kleinere Gruppe Kurden noch etwa 1,5 Kilometer von dem israelischen Konsulat entfernt.)

 

Erst etwa sieben Minuten später eine neue Meldung: Israelische Botschaft.Konto 1.Über Draht.Kommen.- Hier Konto zwo.Auftrag für Konto-Kräfte: Ein Zug verbleibt US-Botschaft.Restkräfte mit Eile zur Schinkelstraße Israelische Botschaft.- Hier Weide zwo-null.So richtig.13.30 Uhr.Ende.- Hier Amsel zwo.Unsere Personengruppe hat sich auf 50 Personen erhöht und läuft jetzt weiter Richtung Halensee.- Was jetzt in Richtung Israelisches geht, bitte sofort umsetzen.

 

Mehr als eine Minute später: Konto zwo von vier-null.- Zwo hört.- Vorschlag von vier-null: Fünf-null verbleibt an der Botschaft und vier-null ist dann frei.- Ja, ist richtig.- Wir fahren mit Eile.- Konto zwo-null für drei-null kommen.Zwo.Konto drei-null mit der Frage: Wir mit Eile Schinkelstraße? - Richtig, Sie mit Konto vier-null.

 

13.33 Uhr: Amsel drei-null von zwo.Fahrt zum Generalkonsulat zur Schinkelstraße.- Hier Insel zwo.Verlegt mit Eile Schinkelstraße.Im Hintergrund sind Sirenen zu hören.Mehrere Anfragen, wer wohin fahren soll.Dann: Weide vier von Weide sieben.Ihnen zur Kenntnis, ich müßte erst zur Friesenstraße.Dort Übergabe.

Nach einer kleinen Pause funkt Weide vier zu Weide zwei: Frage: Ist Ihnen bekannt, daß Weide sieben in Richtung Friesenstraße fahren muß, um Weide 17 abzugeben? - Hier Weide eins, ist mir nicht bekannt.Aber jetzt.Kurz darauf: Hier Amsel zwo.Wir sind jetzt israelisches Konsulat eingetroffen.Vor Ort vier Personen.Wir sind mit einem kompletten Zug hier vor Ort.

Es folgen verschiedene Unterstellungsanweisungen.Dann ein Ruf: Es wird Schlagwerkzeug mitgeführt! - Weide zwo verstanden.13.37 Uhr.Ende.Von Amsel zwo: Massive Angriffe auf Amselkräfte.- Terra drei-null verlegt zu ihnen mit Sonderrechte.- Insel zwo versucht, auf dem schnellsten Weg dorthin zu kommen.- Amsel zwo verstanden.13.37 Uhr.Ende.

 

13.38 Uhr.Funkdurcheinander.Dann: So, ich unterbreche mal, wir brauchen dringend Unterstützung! - Hier Korso zwo.Wir würden uns anbieten.- Hier nochmal Amsel zwo: Mit Eile bitte die Kräfte hierher.Wir haben Schlagstockeinsatz!

Wenig später, aufgeregt: Hier Amsel zwo.Cirka 100 Personen vor Ort.Amselkräfte werden mit Eisenstangen angegriffen! Und wir haben Schlagstockeinsatz! - Korso 20 bietet sich ebenfalls mit seinen Kräften an.

Funkpause, Funkchaos, dann laute, hektische Rufe: Mehrere Verletzte nach Schüssen, wir brauchen dringend Rettungswagen! - Es wurde schon geschossen mit scharfen Waffen, ein verletzter Polizeibeamter nach Schußverletzung.Weitere laute, hektische Funksprüche.Dann: Angeblich scharfe Schüsse aus der Botschaft! - Schüsse auf die Botschaft, habe ich richtig verstanden? - Schwer gestörter Funkverkehr.Dann wieder klarer, im Hintergrund lautes Gebrüll, und der Ruf: Zum letzten Mal: Wir haben hier massiven Schlagstockeinsatz und eine Vielzahl von verletzten Beamten! - Verstanden, aber wir können es nur umsetzen.Es geht nicht mehr, als es umzusetzen.

 

Soweit der Funkverkehr.Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Eberhard Schönberg, stellt die Situation so dar: "Die Polizei bekommt um 13.20 Uhr den Hinweis, daß das Israelische Generalkonsulat um 14 Uhr besetzt werden soll.Daraufhin werden sofort drei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei mit Eilauftrag dorthin entsandt.Teilkräfte treffen bereits wenige Minuten später am Ort ein und beginnen mit dem Aufbau von Absperrgittern.Kurze Zeit danach treffen wenige Kurden in Polizeibegleitung vom kurfürstendamm kommend vor dem Generalkonsult ein.In diesem Augenblick überfallen etwa 100 bewaffnete Kurden, offensichtlich aus dem Umweltbundesamt kommend, die am Ort befindlichen Polizeikräfte.( ...) Vor dem Eintreffen der Polizeikräfte war die Lage völlig ruhig.Es waren keine Kurden zu sehen."

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