Berlin : Polizeirazzia beim „Tag der Germanen“

130 Beamte kontrollierten 36 Personen in Fußball-Kneipe. Dort feierten Neonazis und Hooligans

Jörn Hasselmann

Die Polizei lässt die rechtsextremistischen „Vandalen“ nicht in Ruhe feiern. 130 Beamte stürmten am Tag der deutschen Einheit das „Berliner Fußball-Café“ in Lichtenberg, in dem gerade der „Tag der Germanen“ gefeiert wurde. 36 Personen aus der Rocker- und Hooligan-Szene sowie einige „Vandalen“ wurden überprüft. Erst vor zwei Wochen hatte das Spezialeinsatzkommando die konspirativ geplante Geburtstagsfeier der rechtsextremistischen Rockergruppe in einem Köpenicker Biergarten aufgelöst. 370 Polizisten hatten vier Mitglieder der Neonazi-Truppe kurzzeitig festgenommen.

Besonders groß war der Erfolg am Freitag nicht: Ein 37-Jähriger aus Friedrichshain wurde festgenommen, weil er Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation trug. Es handelt sich um eine Mütze mit den Zeichen einer SS-Einheit aus dem Dritten Reich. Bei der Wohnungsdurchsuchung wurden weitere Gegenstände mit Bezügen zur Nazizeit gefunden und sichergestellt. Der bisher nicht einschlägig bekannte Tatverdächtige wurde gestern einem Haftrichter vorgeführt, der über eine Inhaftierung entscheiden sollte. Weitere Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten stellte die Polizei nicht fest – es gab auch keine Widerstandshandlungen oder Pöbeleien gegen die 130 eingesetzten Polizisten.

Empört über den Polizeieinsatz waren Fans des BFC Dynamo und Besucher des „Berliner Fußball-Cafés“ in der Scheffelstraße. „Das war ein ganz normales Fest mit Honigwein und Wildbret“, hieß es aus Fankreisen. Es sei im übrigen schon der vierte „Tag der Germanen“ gewesen, der auf diese Weise in der Fußballkneipe gefeiert wurde. Auch Frauen und Kinder seien dabei gewesen, als um 14 Uhr nachmittags die Polizei mit etwa 20 Mannschaftswagen vorfuhr. „Wir sind kein Neonazitreff.“

Die Polizei begründete ihren Einsatz so: „Es war zu befürchten, dass von diesen Personen, insbesondere nach Alkoholkonsum, während oder nach der Veranstaltung Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten begangen werden könnten.“ Hintergrund dürfte nach Informationen des Tagesspiegels vor allem sein, dass Mitglieder der „Vandalen“ erwartet wurden. Die Polizei gab an, dass die 36 überprüften Personen „nur zum Teil“ aus der Rocker-, Krawall- und rechten Szene kamen. In der linken Szene gilt das Lichtenberger Fußball-Cafe als Treff von Rechtsradikalen. Am 15. September hatten Unbekannte auf das Café einen Anschlag verübt. Mehrere Vermummte hatten die Eingangstür mit Pflastersteinen eingeworfen und mit roter Farbe „No Nazis“ an die Wand geschmiert.

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