• Polizeischiffe zum Angeln, Üben, Angeben Versteigerung von Booten mit Radar und Echolot

Berlin : Polizeischiffe zum Angeln, Üben, Angeben Versteigerung von Booten mit Radar und Echolot

Claus-Dieter Steyer

Werder (Havel) – Hobbyschiffer auf Brandenburger und Berliner Gewässern sollten bei der Annäherung eines Bootes mit großer Radaranlage, Antennen und Suchscheinwerfer ab heute etwas genauer hinsehen. Denn was ein Polizeischiff zu sein scheint, könnte in Wahrheit der ganze Stolz eines Privateigentümers sein. 17 ausrangierte Boote der Brandenburger Wasserschutzpolizei kamen am Sonnabend in Werder (Havel) unter den Hammer. Die neuen Eigentümer haben die Boote komplett mit Ausrüstungen ersteigert. Lediglich der Schriftzug „Polizei“ wurde vorher entfernt.

Die Versteigerung war eine indirekte Folge der EU-Osterweiterung. Mit ihr fielen auch die Zollkontrollen an den Fluss-Übergängen von und nach Polen weg. Die schnellen und wendigen Zollboote wurden der Wasserschutzpolizei übergeben – die dafür ihre betagten Fahrzeuge ausrangierte und nun verkaufte.

Das Interesse war erstaunlich groß. Schon zur Besichtigung am Vormittag musste die Zufahrtsstraße zum Polizeigelände an der Havel gesperrt werden. „So eine Bootsqualität gibt es heute kaum noch“, meinte ein aus Berlin angereister Mann um die Fünfzig. „Der Rumpf ist aus Stahl und hält bestimmt einiges aus. Heute dagegen fahren auf den Gewässern doch nur noch Joghurt-Becher – ganz aus Plastik und leicht zu beschädigen.“ Er hatte ein Auge auf ein zwölf Meter langes und fast drei Meter breites Boot mit Aluminiumaufbau geworfen – musste sein Interesse für die Radaranlage, das grafische Echolot und den leistungsstarken Schiffsfunk jedoch mit vielen Bewerbern teilen. Am Ende wechselte das 1984 auf der Yachtwerft Berlin gebaute Schiff für 12800 Euro den Besitzer. Die anderen Summen, bei denen der Auktionator den Zuschlag erteilte, lagen zwischen 11600 und 2300 Euro. Nur 560 Euro musste ein Mann für ein zweisitziges und vier Meter langes Motorboot auf den Tisch legen – dem der Motor allerdings fehlte. „Recht gute Preise“, nannte das der Versteigerer Mirko Bickel. Das Geld kommt in die Landeskasse.

Die Motive der Käufer ähnelten sich. „Ein Top-Angelkahn, der nie umkippt“, sagte ein Einwohner von Werder über seine Erwerbung. Ein anderer Mann kaufte ein mit einem 258 PS starken Dieselmotor ausgestattetes Boot für einen Tauchverein: „Alles sehr robust, genau das richtige für unsere schwere Technik.“ Andere Exemplare fahren künftig als „Zweitschiff“ von Yachtbesitzern über den Scharmützel- und den Schwielowsee. „Damit kann jetzt meine Frau üben. Da regt mich kein Kratzer auf, wenn sie wieder einmal unvorsichtig anlegt“, verriet ein Herr. Andere Käufer wollen sich mit der Radaranlage jetzt auch mal auf eine Tour entlang der Ostseeküste wagen. Nur ein Neu-Eigentümer gab zu, mit dem früheren Polizeiboot „ein wenig zu protzen“: Es sei doch wunderbar, jetzt die Leute mit den Aufbauten oder den starken Scheinwerfern zu erschrecken…

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