Berlin : Polizeischutz für Kirchen

Nahezu jeder größere Gottesdienst wird durch Pöbeleien der immer gleichen Störer unterbrochen

Claudia Keller

Als am Sonntag in der Kreuzberger Johannesbasilika das Weltjugendtagskreuz vor 1500 Jugendlichen überreicht wurde, gehörten auch uniformierte Polizeibeamte zu den Gottesdienstbesuchern. Sie waren von den Veranstaltern bestellt worden, damit die Messe in Ruhe ablaufen kann. Das ZDF übertrug den Gottesdienst, da wollte man Zwischenfälle ausschließen. Und ohne Polizei ist dies in Berlin nicht mehr garantiert: Störer pöbeln seit einem Jahr in nahezu jedem größeren Gottesdienst, besonders wenn prominente Kirchenobere wie Bischof Wolfgang Huber oder Kardinal Georg Sterzinsky am Altar oder auf der Kanzel stehen. Die Vorfälle häuften sich seit Jahresbeginn rapide. Ende Januar beließen es die Pöbler nicht mal mehr bei verbalen Einwürfen, sondern zerstörten in der Hedwigs-Kathedrale die 10000 Euro wertvolle Jahresschale. Protestantische Gottesdienste sind genauso Ziel der Angriffe wie die katholischen. Deshalb hat die Polizei größere Gottesdienst nun besonders im Auge.

„Das Schlimmste daran ist, dass es einem völlig die Ruhe nimmt“, sagt Bistumssprecher Stefan Förner. „Man schaut sich die ganze Zeit in der Kirche um und denkt: Wo ist er, wer ist schneller – er oder wir.“ Es sei schon so weit gekommen, dass er am Sonntag in der Johannesbasilika richtig überrascht gewesen sei, dass kein Störer auftauchte.

Es sind immer dieselben zwei, drei Besucher, die im Gottesdienst pöbeln, meistens, indem sie Parolen gröhlen. Einer von ihnen ist Andreas Roy (siehe unten). Im Februar trat er in drei Gottesdiensten unangenehm in Erscheinung, im März viermal. Darunter bei der Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit, bei einer Trauerfeier auf dem Friedhof in Köpenick und bei dem Jugendprojekt „Jesus House“. Geldbußen schrecken die Täter offenbar nicht. Die heutige Verurteilung war nicht die erste. Nun hoffen die Kirchen, dass ihn die Richter demnächst als Serientäter verurteilen und dann zu mehr als nur einer Geldstrafe.

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