Polizeischutz für Makler : Linke Szene stört Lange Nacht der Wohnungsbesichtigungen

Einen "exklusiven Streifzug durch Berlins Immobilienangebot" versprach der Veranstalter der ersten Langen Nacht der Wohnungsbesichtigungen. Die linke Szene nahm die Einladung an - auf ihre Art.

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Die erste Lange Nacht der Wohnungsbesichtigung, zu der ein Immobilienportal aufgerufen hatte, rief auch Demonstranten auf den Plan. Zur Kundgebung am Alexanderplatz kamen aber nur wenige.Alle Bilder anzeigen
Foto: dapd
20.10.2011 22:51Die erste Lange Nacht der Wohnungsbesichtigung, zu der ein Immobilienportal aufgerufen hatte, rief auch Demonstranten auf den...

Riesenwohnung im Trendkiez Schlesisches Tor. Altbau, Stuck, Dielen. Aber es riecht muffig und die Kabel hängen aus den Wänden. Ja, hier ist was zu tun, gibt die Vertreterin des Besitzers zu. Kostenpunkt 380 000 Euro. Plötzlich ein Knall aus dem Wohnzimmer:  Einer  der Besucher hat sich eine Sektflasche geschnappt, die der Makler bereitgestellt hat. "So jetzt stoßen wir auf die Berliner Immobilienwirtschaft an: Dass sie sich hier so ungehemmt die Taschen voll stopft." Eine von vielen Protestszenen auf der ersten Langen Nacht der Wohnungsbesichtigung.

Einen "exklusiven Streifzug durch Berlins Immobilienangebot" hatte der Veranstalter und Internetimmobilienanbieter Immobilien-Scout-24 versprochen.

Ab 18 Uhr wurden vor allem Kaufinteressierte, aber auch Mietwohnungssuchende ab Alexanderplatz mit Bussen in acht Berliner Stadtteile gefahren: Charlottenburg, Friedrichshain, Kreuzberg, Mitte, Neukölln, Prenzlauer Berg, Schöneberg und Wedding. Hauptsächlich würden Kaufwohnungen angeboten, aber auch Mietwohnungen ab 440 Euro in Neukölln seien dabei, sagt Immobilien-Scout-24-Sprecher Ergin Iyilikci. „Gerade in einem eng umkämpften Markt wie Berlin“ sei die Lange Nacht eine „erlebnisreiche und komfortable Alternative zu den zeitraubenden Besichtigungsterminen“, heißt es auf der Internetseite des Veranstalters.

Für die linke Szene ist das angesichts steigender Mieten und der Verdrängung von finanzschwachen Mietern eine Provokation, sie rief zu Aktionen auf.

Von denen ist am frühen Abend am Alexanderplatz außer ein paar Flugblättern nicht viel zu sehen. Vor den acht Bussen bildet sich schon am frühen Abend eine große Menschentraube. Im Laufe des Abends werden etwa 1000 Besucher an der Veranstaltung teilnehmen. Der Bus nach Kreuzberg ist von Anfang an am stärksten gefragt, einige Gäste müssen auf den nächsten warten.

Auf  linken Internetseiten wurde zuvor dazu aufgerufen, mitzufahren. Die Vorschläge reichten von „die Moderation im Bus selbst übernehmen“ bis zur Sachbeschädigung: Die Wände der Wohnungen könnten „als Ort der Niederschrift unserer Wünsche“ genutzt und „natürlich auch farblich neu gestaltet“ werden. Auch von Wohnungsbesetzung ist in den Aufrufen die Rede.  

Polizeischutz und betretene Blicke: Eine ganz normale Wohnungsbesichtigung sieht anders aus. Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite.

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