• Polizist beschossen: Gastwirt steht vor Gericht Beamter war Silvester schwer verletzt worden

Berlin : Polizist beschossen: Gastwirt steht vor Gericht Beamter war Silvester schwer verletzt worden

Er ist bis heute nicht wieder dienstfähig

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„Wir waren in der Nacht eigentlich auf alles vorbereitet“, sagte Mario K. den Richtern. Der Polizeihauptmeister und sein Kollege trugen in der vergangenen Silvesternacht kugelsichere Westen und hatten die Fahrzeugfenster geschlossen. „Weil es eine Warnung gegeben hatte.“ Doch diese sei in Richtung JugendgruppenGewalt gegangen. Vor allem auf die Dächer hätten er und sein Beifahrer geachtet. Bis es um 23 Uhr 37 links neben dem Beamten krachte und er einen stechenden Schmerz am Kopf spürte.

Es war eine Kugel aus einer scharfen Pistole, die Mario K. traf. Seit gestern sitzt der Schütze wegen versuchten Totschlags vor dem Berliner Landgericht: Mirsad S., 43 Jahre alt, ein aus Sarajevo stammender Gastwirt. Er hatte nach seiner Festnahme von einer „Feierlaune“ gesprochen, die ihn auf die Idee mit seiner illegalen Waffe gebracht habe. Im Prozess entschuldigte sich der Familienvater. „Es tut mir sehr Leid, ich würde nie im Leben auf Menschen schießen.“ Den Polizeiwagen will er nicht gesehen haben. „Ich habe erst in die Luft geschossen und dann in Richtung einer Mülltonne.“

Eine der 18 Kugeln aber verletzte Mario K. an der linken Schläfe und am Hinterkopf. Ärzte schätzten später ein, dass er den Anschlag auf der Schöneberger Hauptstraße nur mit Glück überlebt habe. Hastig sprach er nun als Zeuge über jene Sekunden. „Ich spürte diesen Schmerz, fiel zur Seite auf den Schoß meines Beifahrers, sah das Loch in der Scheibe und überall Blut.“ In den Dienst konnte er bis heute nicht zurückkehren.

„Die Kugel – ein Versehen? Das kann ich nicht glauben“, sagte der 36-jährige Beamte am Rande des Prozesses. „Alle haben irgendwelche Waffen, die Attacken auf Polizeibeamte nehmen zu.“ Dem Täter warf er vor: „Er hat mein Leben völlig durcheinander gebracht.“ Mario K. sprach von seiner Ehefrau, die mit seinen Panikattacken nicht klargekommen sei, von seiner achtjährigen Tochter, die voller Entsetzen den Papa im Krankenhaus gesehen habe, von Lähmungserscheinungen und Migräneanfällen, von der Panik bei Knallgeräuschen.

Gastwirt S. hörte regungslos zu. Er will sich die Pistole vor Jahren besorgt haben – aus Angst vor Schutzgeld-Erpressern. Ein halbes Jahr lang sei er nur mit der geladenen Waffe in der Tasche unterwegs gewesen. Ob er ein geübter Schütze sei, wollte die Vorsitzende Richterin wissen. Mirsad S. schüttelte den Kopf. Nur bei seinem Militärdienst vor zwanzig Jahren habe er mit einem kleinen Gewehr geschossen. Und die Pistole habe er zuvor nur einmal benutzt. Das war Silvester 2002. „Da gab ich aber nur einen Schuss auf eine Mülltonne ab.“

In der Silvesternacht stand dann ein Mann mit einer Signalpistole vor seinem Lokal, sagte der Angeklagte. „Ich ging nach hinten und holte die Pistole." Nach Schüssen in die Luft habe er auf die Mülltonne gezielt. „Ich habe zur Seite gesehen, um meine Augen zu schützen.“ Dass er Passanten oder ein Fahrzeug treffen könnte, will er nicht bedacht haben. Der Prozess wird am 31. Oktober fortgesetzt.

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