Berlin : Polizist ignoriert Notrufe

49-Jährige wäre fast verblutet, jetzt wird der Vorfall untersucht. Auch in anderen Fällen wird gegen Beamte ermittelt

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Ein Polizist in der Einsatzleitzentrale hat am Donnerstagmorgen gleich zwei Notrufe ignoriert. Jetzt ermittelt das Fachkommissariat wegen Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung gegen den Beamten. Gegen 9 Uhr 45 hatte eine Frau angerufen, die in einer Grünanlage an der Richard-Wagner-Straße in Charlottenburg eine schwerverletzte Frau entdeckt hatte. Ihrer Bitte, einen Funk– und Notarztwagen zu schicken, sei der Beamte nicht nachgekommen, sagte eine Polizeisprecherin.

Erst als ein weiterer Zeuge ein drittes Mal anrief, wurden ein Streifenwagen und auch Rettungskräfte zur Grünanlage geschickt. Dort fanden sie eine 49-Jährige, die sich nach Zeugenaussagen offenbar die Pulsadern aufgeschnitten hatte und stark blutete. Sie wurde laut Polizei „in kritischem Zustand“ in eine Klinik gebracht. Ob sie in Lebensgefahr schwebt, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren.

Warum der Beamte den Notruf ignorierte, ist bisher ein Rätsel. Spekulationen, wonach die Zeugin kein Deutsch gesprochen beziehungsweise sich unbeholfen ausgedrückt habe, wies die Polizei zurück. „Bei einem Notruf muss man immer reagieren, das weiß auch jeder, der in der Einsatzleitzentrale arbeitet“, sagte ein Mitarbeiter der Pressestelle. Man müsse nun die weiteren Ermittlungen abwarten.

Auch in zwei anderen Fällen wird gegen Polizeibeamte ermittelt. So wurde gestern gegen 14 Uhr ein 33-jähriger Polizeibeamter der 2. Abteilung der Bereitschaftspolizei in Reinickendorf durch eine versehentliche Schussabgabe eines 21-jährigen Kollegen verletzt. Nach bisherigen Erkenntnissen hielten sich beide Polizisten in einer Dienststelle in der Ruppiner Chaussee in Schulzendorf auf, als es aus bisher nicht geklärten Umständen zu der unbeabsichtigten Schussabgabe kam. Der Schuss traf den 33-Jährigen laut Polizei im Bereich des Oberschenkels.

Der Schwerverletzte wurde ins Krankenhaus gebracht und sofort operiert. Er schwebt nicht in Lebensgefahr. Der mutmaßliche Schütze erlitt einen Schock und wurde von Rettungskräften behandelt und anschließend psychologisch betreut.

Auf dem Gelände in Schulzendorf befinden sich neben der 2. Bereitschaftsabteilung noch weitere Dienststellen von Polizei und Feuerwehr. Die Ermittlungen gegen den 21-Jährigen wegen fahrlässiger Körperverletzung hat nun das Landeskriminalamt (LKA) übernommen.

Offenbar schon längere Zeit ermittelt das LKA gemeinsam mit der Berliner Staatsanwaltschaft gegen einen Polizeikommissar, der im Verdacht steht, kinderpornographisches Material im Internet erworben zu haben. Ermittler haben deshalb am Donnerstagmorgen gegen sieben Uhr die Wohnung und auch die Diensträume des Mannes durchsucht. Dabei hätten sie umfangreiches Beweismaterial wie Computer und diverse Datenträger sichergestellt, sagte eine Polizeisprecherin. Diese müssten in den nächsten Tagen ausgewertet werden. Erst danach würden dienstrechtliche Maßnahmen gegen den 45-jährigen Beamten geprüft.

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