Berlin : Polizist missbraucht neun Schulmädchen Beamter gesteht sexuelle Übergriffe

Vor Gericht bittet er die Opfer um Entschuldigung

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Die Mädchen ahnten nichts Böses. Schließlich hatte ihnen der Mann, der sie wegen Drogen oder Diebesgut durchsuchen wollte, einen Polizeiausweis gezeigt. Er lockte die Schülerinnen an entlegene Orte und missbrauchte sie. Neun Mädchen im Alter zwischen neun und 14 Jahren wurden Opfer des Beamten Karsten Z., der sich seit gestern vor dem Berliner Landgericht verantworten muss. Der vom Dienst bei der Bundespolizei suspendierte Beamte soll zudem eine 18-Jährige vergewaltigt haben.

Karsten Z. ist ein klein gewachsener Mann mit auffallend breitem Kreuz. Er hat seine Muskeln seit Jahren geformt – mit Kraftsport und Anabolika. Zu den Vorwürfen wollte er sich zunächst nicht persönlich äußern. Über seinen Anwalt ließ er erklären, dass die Anklage im Wesentlichen stimme, dass er sich bei den Opfern entschuldigen möchte. Später sprach Karsten Z. von Muskelaufbau-Präparaten, die ihn aggressiv gemacht hätten.

Im Ermittlungsverfahren hatte der Vater einer kleinen Tochter versucht, zwischen den Taten und den Anabolika einen Zusammenhang herzustellen. Im Prozess meinte Karsten Z. nun: „Ich kann nicht erklären, wie es zu den Taten kam." Er habe sich zwar nach jedem Übergriff geschämt, das Geschehene aber jeweils nach kurzer Zeit verdrängt. Damals habe es Probleme in seiner Ehe gegeben. Er habe seine Frau nicht mehr sexuell attraktiv gefunden, meinte der Angeklagte.

Bereits vor fünf Jahren hatte sich Z. auf der Straße vor einer ihm fremden Frau entblößt. Wegen Exhibitionismus wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt. Im August letzten Jahres dirigierte er dann zum ersten Mal eine Schülerin zu einem menschenleeren Platz, um sie sexuell zu berühren. Er hatte der 14-Jährigen erklärt: „Ich bin von der Polizei. Wie du weißt, werden hier Drogen verkauft, ich müsste mal deinen Rucksack durchsuchen." Eine 13-Jährige musste in der elterlichen Wohnung sexuelle Handlungen erdulden, ein anderes Mädchen zwang er zum Oralverkehr.

Das jüngste Opfer war neun Jahre alt. Ihr bleibt wie den anderen Mädchen nach dem Geständnis des Beamten eine Aussage im Prozess erspart. Ihre Anwältin aber berichtete von den schwer wiegenden Folgen des Übergriffs. Karsten Z. habe Susanne (Name geändert) unter dem Vorwand, er ermittle wegen eines Ladendiebstahls, in einem dunklen Keller angefasst. Als das Mädchen schrie, habe er mit Gewalt gedroht. Susanne sehe bis heute in jedem fremden Mann einen potentiellen Angreifer, sagte die Anwältin und forderte ein Schmerzensgeld von mindestens 3000 Euro. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. K. G.

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