Berlin : Polizist prellte Kunden mit einer Firma

-

Über die betrügerischen Praktiken des am Montag verhafteten Polizeikommissars sind nun weitere Details bekannt geworden. Dem 50-Jährigen wird vorgeworfen, mittels eines illegalen „Schneeballsystems“ über 2,75 Millionen Euro Schaden verursacht zu haben. Die Firma, die der Polizeikommissar zu diesem Zweck gegründet hatte, lief unter dem Namen „Alternative Kollektive Wertschöpfung“ (AKW). Das Angebot an die Kunden klang verlockend: Jeder zahlt zunächst 250 Euro ein. Dadurch, dass die Gruppe eine große Einkaufsgemeinschaft bildet, bekommt die Firma AKW bei Unternehmen so viel Rabatt, dass jedes Mitglied Waren oder Dienstleistungen in einem viel höheren Gegenwert, nämlich von 500 bis 650 Euro, erhält. So zum Beispiel Benzingutscheine oder Handwerker- Dienstleistungen. Zusätzliche Provisionen wurden den Teilnehmern versprochen, falls sie in drei Monaten mindestens sechs weitere Kunden anwerben.

Das „Schneeballsystem“ nahm seinen Lauf. Laut Staatsanwaltschaft zielte der 50-Jährige darauf ab, nur anfänglich die Gewinne auszuzahlen. „Zu Beginn tat er das. Denn damit schaffte er es, viele Leute für seine Idee zu begeistern“, sagt ein Ermittler. Doch am Ende häuften sich die Strafanzeigen von Teilnehmern, die sich um ihre Einzahlungen betrogen sahen. Sie haben für ihr eingezahltes Geld nie einen Gegenwert bekommen. Der Polizist soll bundesweit mehrere tausend Menschen geprellt haben, denn mehr als 11 000 Einzahlungen à 250 Euro sind auf das Firmenkonto geflossen.

Im Frühjahr 2004 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Beamten eingeleitet. Er wurde vom Dienst suspendiert. Nach über einem Jahr fiel den Behörden auf, dass er mehrmals auf schriftliche Vorladungen nicht reagiert hatte und nicht zu Hause war. Deshalb wurde im November vergangenen Jahres ein internationaler Haftbefehl ausgestellt. Wie sich jetzt herausstellte, war der Mann in Spanien untergetaucht.

Doch verhaftet wurde er auf viel kuriosere Weise: Er selbst war am Montag bei der Personalverwaltung der Polizei erschienen. Offenbar hatte er nichts davon gewusst, dass er mit internationalem Haftbefehl gesucht wurde. Er wollte sich laut Polizei erkundigen, warum er seit einiger Zeit kein Gehalt mehr bekommen hatte. Als Beamter steht ihm trotz Suspendierung die Hälfte des Lohnes zu. tabu

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben