Berlin : Polizistenmord: Höchststrafe gefordert

Im Prozess um die tödlichen Schüsse auf Uwe Lieschied plädiert die Staatsanwaltschaft auf Lebenslänglich

Kerstin Gehrke

Einer der zentralen Sätze an diesem Freitag im Gerichtssaal lautet so: „Er hat Uwe Lieschied nicht die Spur einer Chance gelassen“, sagte Oberstaatsanwalt Ralph Knispel. Mit „erbarmungsloser Brutalität“ sei Mehmet E. vorgegangen. „Er hat die Waffe auf den Polizisten gerichtet und das Magazin leer geschossen.“ Der Ankläger plädierte auf die Höchststrafe: lebenslange Haft wegen Mordes. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll zudem die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden. Eine Haftentlassung nach 15 Jahren wäre dann ausgeschlossen.

Mehmet E. saß regungslos auf der Anklagebank hinter Panzerglas. Er hofft auf einen Freispruch. Zwar hatte er kurz nach seiner Festnahme ein Geständnis abgelegt, war davon aber im Prozess abgerückt. Zu Beginn der Verhandlung Ende November vergangenen Jahres setzte er sich über seine Anwälte als Opfer in Szene. Er sei von Polizisten rüde behandelt worden, habe in einer kalten Zelle gezittert, Suizidversuche unternommen. „Ich habe aus Angst einfach etwas erzählt, um meine Ruhe zu haben“, behauptete er.

„Das ist geradezu grotesk“, sagte dazu der Oberstaatsanwalt. Mehmet E. habe die Schüsse gegenüber der Polizei und einem Haftrichter gestanden. Er habe die Ermittler auch zielgerichtet zum Versteck der Tatwaffe am Wannsee geführt. Und zudem gebe es die DNA- und Schmauchspuren an einem Handschuh, den die Polizei in der Nähe des Tatortes gefunden hatte. Auch hätten ihn Zeugen belastet. „Es war ein klassischer Verdeckungsmord“, sagte Knispel. Mehmet E. habe mit „absolutem Vernichtungswillen“ geschossen, um fliehen zu können.

Lieschied hatte einen guten Spürsinn. Er schöpfte auch am 17. März vorigen Jahres Verdacht, als er an der Hasenheide in Neukölln zwei rennende Männer sah. Der 42-Jährige war in jener Nacht mit zwei weiteren Zivilbeamten unterwegs. Sie beschlossen, die Verdächtigen zu überprüfen. Lieschied ging voran. „Jungs, bleibt mal stehen, Polizei“, forderte er. Einer der Männer aber zog sofort eine Waffe, drückte ab.

Ein Projektil traf in die linke Schläfe. Der Hauptkommissar starb wenige Tage später im Krankenhaus Neukölln. Er hinterließ Ehefrau und zwei Söhne.

Der Mord sorgte für Fassungslosigkeit und Entrüstung. Viele nahmen Anteil – auf einer Kundgebung, auch bei der Trauerfeier. Und Tausende Menschen kamen zum Hertha-Benefizspiel für die Familie. Polizeipräsident Dieter Glietsch sagte, Lieschied habe sich besonders dafür eingesetzt, dass man in der Stadt friedlich zusammenleben könne. Er habe auch bei seinem letzten Einsatz alles richtig gemacht.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Mehmet E. und der mitangeklagte Yussuf K. hatten kurz vor den Schüssen eine Frau überfallen und deren Handtasche mit 50 Euro erbeutet. So hatte es E. bei der Polizei zu Protokoll gegeben. Im Falle des 30-jährigen K. ist aus Sicht der Anklage zwar der Vorwurf des schweren Raubes erwiesen, nicht aber eine Beteiligung an dem Mord. Gegen K. wurden sechs Jahre und sechs Monate Haft beantragt.

Die Verteidiger von E. hatten im Prozess mit ihren Anträgen mehrfach für Kopfschütteln bei den Juristen auf der Gegenseite gesorgt. Am Tatort sei nicht gründlich genug ermittelt und ihr Mandant bei der Festnahme unverhältnismäßig hart angefasst worden. Zudem stelle sich die Frage, ob das damalige Aussageverhalten von E. besonders beeinträchtigt war. Zudem sei sein „wackliges Geständnis“ nicht auf Tonband aufgezeichnet.

Das Urteil soll am Dienstag verkündet werden.

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