Berlin : Polnische Woche: Fünfzig Einblicke

Amory Burchard

Das Motto der diesjährigen Polnischen Woche wirbt um nachbarschaftliche Neugier: Polen - EinBlick. Es dürfen auch zwei Blicke sein, sagt Slawomir Tryc, Direktor des Polnischen Kulturinstitus in Berlin, das zum Zentrum der kulturellen Veranstaltungen im Rahmen der Polnischen Woche in der nächsten Zeit wird. Mit über 50 Konzerten, Ausstellungen, Diskussionen und Kinovorführungen werde sich Polen vom 7. bis 13. Mai von seinen vielen besten Seiten zeigen. Der Tagesspiegel begleitet das Programm als Medienpartner.

Musikalischer Höhepunkt ist die Deutschland-Premiere des Oratoriums Passio Domini Nostri Jesu Christi op. 65 von Josef Elsner, dem Lehrer Chopins. 1830 komponiert, gingen die Noten während der polnischen Teilungen verloren und wurden erst 1994 wieder gefunden - in der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Die Warschauer Kammeroper führt das Oratorium am 8. Mai mit 170 Musikern und Sängern im Berliner Dom auf (Vorbestellungen für Einitrittskarten sind ab sofort möglich unter der Telefonnummer 2026 9136).

Warschau, die Vorzeigestadt der Polnischen Woche, bringt weitere Perlen seines Kulturlebens in die Partnerstadt Berlin. Zum Beispiel: das polnische Jazz-Weekend unter anderem mit Stanislaw Soyka und seiner Band am 11. Mai im Pfefferwerk. Ins Herz der Berliner und der Warschauer geht sicherlich die Diskussion um die Stadtschlösser. Warschau hat seine von den Deutschen zerstörte Residenz gleich nach dem Krieg rekonsturiert und wieder aufgebaut und ist nun wieder der Mittelpunkt der Hauptstadt. Darf man Schlösser wieder aufbauen? Am 7. Mai streiten Befürworter und Gegner im Kulturinstitut.

Das Plakat der Polnischen Woche signalisiert Offenherzigkeit: Eine halb barbusige polnische Schönheit rafft den Rock wie einen Theatervorhang - und zeigt ihren Nixenleib. Der Plakatkünstler Rafal Olbinski hat die Syrena, das Wappen-"Tier" Warschaus, zum Nummern-Girl des Programms der polnischen Woche gemacht. Eine Ausstellung des in New York lebenden Künstlers im Willy-Brandt-Haus wird schon am 6. Mai eröffnet. Polens neuer Botschafter in Berlin, Jerzy Kranz, kommentiert das etwas pikante Plakat-Motiv diplomatisch: Olbinski habe ja schon zensiert. Eigentlich sei die Syrena ganz barbusig und führe außerdem ein Schwert in der Hand. Das aber sollte Warschau nicht in Berlin erheben. Deshalb hält die Nixe eine rote Rose zwischen den Zähnen. Warszawa trägt Berolina die Liebe an.

Männlich ist der Einblick ins polnische Kino. Im Munk-Saal des Kulturinstituts und im benachbarten Balazs-Kino wird "Der neue Mann im polnischen Film" gezeigt. Alkoholismus, die neue Ökonomie, Frauen, Mütter und andere Verbrecher machen den Helden das Leben ... meistens schwer. Ironisch gebrochen führt Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Jerzy Stuhr zum Auftakt am 6. Mai "Eine Woche im Leben eines Mannes" vor.

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