Berlin : Pommesduft am Auspuffrohr

René Günthers Taxi läuft wie geschmiert – dank des Öls aus der Imbissbude, mit dem er seinen Wagen betankt

Wiebke Heiss

Wenn René Günther den Schlüssel umdreht, dann fängt es bei ihm an zu piepsen. Und zwar aus einem Gerät, das an einer Konsole neben dem Lenkrad seines Taxis angebracht ist. Das Gerät ist ein Computer, der sich um die richtige Mischung aus Diesel und Friteusenöl kümmert – damit der Daimler wie geschmiert läuft. „Ich werde oft von den Gästen gefragt, was das ist", sagt der 39-Jährige. „Und wenn ich dann sage, dass ich auf Frittenfett fahre, glaubt mir das erstmal niemand.“ Dabei ist der Vorteil überzeugend: Das Fett gibt’s umsonst.

Vor zwei Jahren stieg Rene Günther von Diesel auf Pflanzenöl um, indem er einen 40-Liter-Zusatztank einsetzen ließ. Dazu kam noch ein elektronisch gesteuertes Kraftstoffaggregat, das sich um die jeweils erforderliche Öl-Diesel-Mischung kümmert. „In den Tank kam Pflanzenöl von Penny. Der Liter für eine Mark und ein paar Zerquetschte“, sagt Günther. Doch dann ging er einen Schritt weiter und begann, Frittenfett an seinen Benz zu verfüttern. Das holt er von Restaurants und Imbissbuden, die ihm ihr Altöl aus der Küche geben, statt eine Entsorgungsfirma zu beauftragen. Zu Hause filtert der Taxifahrer das Fett und befreit es von Kartoffelstückchen und anderen Rückständen.

Aufbewahrt werden die Kanister dann in seiner Garage, denn für die Lagerung gibt es keine Umweltauflagen. Frittenfett hat die Gefahrenstufe Null. „Fünf Tonnen habe ich seit Mai letzten Jahres verfahren, und es hat mich so gut wie keinen Euro gekostet“, sagt er stolz. „Nur zum Starten brauche ich etwas Diesel.“ Denn Frittenöl zündet erst bei 320 Grad Celsius und muss vor der Einspritzung in den Zylinder durch einen separaten Wasserkreislauf erhitzt werden. Daher wird beim Starten zunächst nur Diesel verfeuert, danach erhöht sich die Zugabe von Öl, bis das Auto schließlich vollkommen auf Friteuseninhalt fährt.Der Einbau der Anlage vor anderthalb Jahren hat den Taxifahrer 10 000 Mark gekostet. Solch eine Summe schrecke seine Kollegen ab. Hinzu kommt die körperliche Anstrengung: Jeden Morgen schleppt Günther einen 20-Liter-Kanister aus dem vierten Stock zum Auto. Vielleicht sind deshalb bis jetzt erst zwei Taxen mit Frittenkraftstoff unterwegs.

Ein Problem hat der Ökofahrer aber. „Da fliegen irgendwelche Umweltminister nach Kenia und pflanzen zum Ausgleich der Umweltbelastung ein paar Bäume“, kritisiert er, „aber Ökotaxen werden nicht subventioniert.“ Er selbst ist zufrieden mit der Technik. Sie schone die Umwelt und seinen Geldbeutel. Dass aus dem Auspuff Pommesduft steigt, hat bis jetzt niemanden gestört. Im Gegenteil. Auf Nachtfahrgäste wirkt der Geruch schon mal Appetit anregend.

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