Berlin : Pony Bar, Wondratschek

Frank Jansen

Stillstand in Mitte? Nicht ganz. Die Barszene dort hat zwar seit längerer Zeit keinen großen Schub mehr erlebt, aber kleine Schubser gibt es doch. Beispiel eins: Das Pony. Ein rummeliges Jungmenschenlokal, mit einem geringen Cocktailangebot und hohem Geräuschpegel. Nur wenig erinnert noch an den Vorgänger, das wunderbar dilettantische Cuba-Lokal „Compay“. Es hielt sich nicht allzu lange, vielleicht konnte das Keeper-Paar den Mangel an Können auf Dauer doch nicht mit Enthusiasmus ausgleichen.

Die Pony Bar versucht gar nicht, hohe Ansprüche zu präsentieren. Hier wird vor allem Beck’s (auf der Karte unter „Pullen-Bier“ aufgeführt) serviert. Wer dennoch Cocktails bestellt, erfährt eine überraschend freundliche Behandlung. Eine junge Servierdame mixte mit viel Mühe für den drinking man und einen compañero einen Mojito und einen Planter’s Punch. Beide waren alkoholsatt hoch drei. Der compañero wollte dann lieber woanders hin.

Auf dem Weg in Richtung Hackesche Höfe kam die Idee, doch mal im Restaurant Schwarzenraben nachzuschauen, was aus der Kellerbar geworden ist. Einst nannte sie sich Engelspalast und zählte Ende der 90er Jahre mit guten Drinks und hübschem Seventies-Design zu den Highlights der Stadt. Doch plötzlich war der unterirdische Minipalast geschlossen. Jetzt hat sich Schwarzenraben eine Champagner-Bar zugelegt namens Wondratschek. Sollte etwa der notorische Rock-Poet Wolf Wondratschek hier unten sein Unwesen treiben? „Nein“, lachte die junge türkische Keeperella. Wie der Name Wondratschek zu erklären sei, wisse sie jedoch nicht. Erst ein paar Tage später war das Rätsel gelöst: Der Besitzer heißt Alexander Wondratschek und gab seinen Namen her, hat aber mit dem Lyriker nichts zu tun.

Das Lokal ist recht dunkel, rechts zieht sich ein vergittertes, mit Champagnerkartons gefülltes Regal entlang. Links ist eine sehr tiefe Sofalandschaft aufgebaut, die eigentlich nur liegend bewohnt werden kann. Hinten darf dann der kleine, bananenartig gekrümmte Tresen glänzen. Und hier bedient die reizende Studentin, die gar nicht aus der Türkei nach Berlin kam, sondern vom Bodensee.

In der kleinen Karte sind zwölf Champagner und neun Champagner-Cocktails aufgelistet. Es ist nichts Außergewöhnliches dabei, aber die klassischen Marken wie Veuve Clicquot, Laurent-Perrier und Taittinger sind alle vorhanden. Drinking man und compañero bestellten einen Aperol Royal (Aperol, Laurent-Perrier) und einen Ritz Champagner Cocktail (Cognac, Cointreau, Orangensaft, Laurent-Perrier). Beide rundeten den Abend auf sehr angenehme Weise ab. Wondratschek muss wohl doch ein Engel sein.

Pony Bar, Alte Schönhauser Str. 44, Mitte, Mo. bis Sa. ab 12 Uhr, So. ab 18 Uhr;

Wondratschek, Neue Schönhauser Str. 13, Mitte, T. 44 31 70 48, Do. bis Sa. ab 21 Uhr.

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