Berlin : Pop Act 2001: Goldkehlchen gesucht

Tanja Buntrock

Zwölf Jahre jung, mit Zöpfen, das Stimmchen noch zart besaitet. "Daaaaylight" piepst das Mädchen im Strickpulli auf der Bühne im Linden-Center Hohenschönhausen. Der Reihe nach treten die Mädchen vor die Jury auf die Bühne, kleine und große, niedliche und weniger niedliche, laute und leise - ab und zu sind auch Jungen dabei. Am Rand schieben sich Kauflustige, vollbepackt mit Tüten, durch die Einkaufshallen und gaffen. Es hallt, es rauscht, es brummelt aus allen Ecken. Doch wer im Shopping Center seine Karriere als Popstar starten will, muss das auf sich nehmen - schließlich haben es die fünf Engelskehlen der Mädchenband "No Angels" auch geschafft.

Deswegen stömten gestern und am Sonnabend rund 140 weibliche und männliche Popstar-Anwärter ins Linden-Center und ins Cinemaxx am Potsdamer Platz, um für "Pop Act 2001" gecastet zu werden. Im Prinzip funktioniert das wie bei der RTL 2-Sendung "Popstars", nur läuft diese Veranstaltung, bei der in 34 deutschen Städten Jungtalente besichtigt werden, nicht im Fernsehen.

Eine neue Popband soll also geboren werden. Gesucht werden drei Jungen und zwei Mädchen. "Mitmachen kann jeder, der uns etwas vorsingt", sagt Organisator Peter Dombrowski. Zusammen mit Martin Scholz, dem Sänger der von Dieter Bohlen produzierten Boyband "Touché", sitzt er in der Jury. Dank seiner musikalische Erfahrungen sollen die guten ins Töpfchen, die nicht so guten ins Kröpfchen. Text und Melodie des Liedes, mit dem die künftige Gruppe die Charts stürmen soll, liegen schon in der Schublade des Produzenten Sascha Graune. Was noch fehlt, sind die Goldkehlchen.

Isabell Merz, Katharina Lazusch und Maria Konstanzia sind als Gruppe 4 eingeteilt. Gemeinsam warten die jungen Frauen darauf, dass sie zum Vorsingen auf die Bühne gerufen werden. "Du musst den Jury-Leuten direkt auf die Stirn, nicht in die Augen gucken", rät Isabell ihren Mitstreiterinnen. Die 21-Jährige hat schon jahrelang bei einer ehemaligen Opersängerin Gesangsunterricht erhalten. "Singen ist mein Leben", verrät sie der Jury, als sie an der Reihe ist. Sie singt ein Lied aus "Cats" - immerhin mal etwas anderes als das unentwegte "Daylight"-Gezwitscher. Katharina versucht es mit "Once in a liftetime", dem estländischen Grand-Prix-Song des vergangenen Jahres. "Okay", urteilt Martin Scholz kaugummikauend. Marias Gesicht wird auf einem der Bewertungsbögen als "ganz süß" bewertet, ihre Darbietung des Backstreet-Boys-Hits "Shape of my heart" mit "nicht so toll".

Bis Mitte Juni werden Scholz und Dombrowski rund 8000 junge Menschen gecastet haben. Alle, alle werden behaupten, dass Singen ihr Leben sei. Und fast ebenso oft werden sie ihr Glück mit "Daylight" von den "No Angels" versuchen. 340 Erwählte dürfen beim finalen Casting am 16. und 17. Juni in Berlin teilnehmen. Am Ende werden fünf übrig bleiben, die einigermaßen gut aussehen, sich bewegen und vielleicht auch singen können. Katharina jedenfalls kann sich vorstellen, eine von ihnen zu sein. Obwohl: "Da vorne denkt man, dass man stirbt."

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