Berlin : Pop gerahmt

Dass Jim Morrison, Billy Idol oder Michael Jackson singen können, weiß jeder Wer wissen will, ob sie auch zeichnen können, besucht „The Art of Hard Rock“.

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Das Leben ist eine Gitarre. Metall-Art-Künstlerin Birgit Poete bemalt in der Hofgalerie Instrumente, die am letzten Tag der Ausstellung „The Art of Hard Rock“ versteigert werden. Links eine Zeichnung von Panikrocker Udo Lindenberg von 2010. Foto: Davids/Sven Darmer
Das Leben ist eine Gitarre. Metall-Art-Künstlerin Birgit Poete bemalt in der Hofgalerie Instrumente, die am letzten Tag der...Foto: DAVIDS

Knarren gehen gar nicht. Dann lieber Gitarren, die ragen auch so stolz vom Körper weg, aber bedrohen niemanden, höchstens das Trommelfell. Die pazifistische Zeichnung, von Panikrocker Udo Lindenberg 2010 angefertigt, ist ein echtes „Udogramm“, ein Bild, das Spaß mache soll, „bis der Hut wegfliegt“, wie er selbst sagt. Als Leihgabe schmückt es die Ausstellung „The Art of Hard Rock“, die ab Freitag in der Hofgalerie am Kurfürstendamm zu sehen ist. Lindenbergs Werk ist eines von 45 Exponaten, die hier in drei kleinen Räumen gezeigt werden – und die allesamt entweder von prominenten Musikern wie Ringo Starr oder Pete Townshend geschaffen wurden oder von Künstlern, die ihnen nahestanden.

Der Grund für die Ausstellung ist wenige hundert Meter weiter zu finden. Dort befindet sich das Berliner Hard Rock Café, Teil einer weltumspannenden Kette aus Hotels und, vor allem, Restaurants, die zugleich auch Museen der Musikgeschichte sind. Denn in ihnen hängen, beginnend mit Eric Claptons Gitarre im ersten Hard Rock Café in London, sogenannte „Memorabilia“, also Instrumente, Kleidungsstücke, manchmal auch Platten von Pop- und Rockgrößen, insgesamt rund 73 000 Exponate. Darunter sind auch Kunstwerke, und weil die Hard-Rock-Kette im vergangenen Jahr ihr 40. Jubiläum gefeiert hat, werden einige von ihnen jetzt erstmals in einer Ausstellung gezeigt. In Berlin macht sie Station, bevor sie nach Köln weiterzieht.

Nicht alle Werke sind große Kunst, oft ist es auch der Name, der Mythos, die Authentizität, die den Ausschlag gibt: Wow, das hat Jim Morrison gemalt? Ja, hat er, es zeigt ihn selbst als Affen, ein Selbstporträt des Künstlers als junger Mann, Morrison war noch Schüler, als er es gezeichnet hat. Überhaupt sind die Selbstporträts interessant: Billy Idol genügen wenige Striche, um das Dreieckige seines Gesichts, die markante Kratzbürstenfrisur, zum Ausdruck zu bringen. Haare sind wichtig: Michael Jackson zeigt in seinem Selbstporträt – er hat viele gemalt, eines davon ist hier zu sehen – sein Gesicht überhaupt nicht, nur Hand, Hut, Haarlocke, und ist doch gerade deshalb sofort als der „King of Pop“ erkennbar.

Das künstlerisch wertvollste Bild der Ausstellung dürfte Paul Stanley, Sänger und Gitarrist von Kiss, gemalt haben: Kräftige, vertikale Striche in Rot, Grün und Weiß, die viele Assoziationen zulassen: Erregung, Vitalität, Leidenschaft, Blumen, Hoffnung, aber auch Blut und Wunden. Oder Musiker in Kostümen. Wie auch immer, hier wird der Drang zum künstlerischen Ausdruck jenseits der Musik am deutlichsten.

Zu den Malern, die nicht selbst Musiker waren, aber den Bands nahestanden, gehört Alan Aldridge, bekannt geworden als Zeichner des Beatles-Songbooks von 1969. In der Ausstellung ist er mit einem seiner zeittypisch psychedelischen Beatles-Poster vertreten und mit einer Zeichnung, die John Lennon als Pinguin darstellt, bezugnehmend auf dessen Ausspruch: „Menschen sind wie Pinguine, die sich dicht aneinanderdrängen, und jeder versucht, den wärmsten Platz zu bekommen.“ Nancy Reiner, die das Cover des vierten, posthumen Albums von Jimi Hendrix („Cry of Love“) gestaltet hat, zeigt den legendären Gitarristen hier in zwei Zeichnungen: Nervöse Gebilde aus Fäden und Strichen, aus denen sich seine charakteristische Figur herausschält.

Eine Künstlerin ist sogar selbst anwesend – allerdings ist sie keine prominente Musikerin: Birgit Poete bemalt an verschiedenen Tagen im Rahmen von „Live Paintings“ Gitarren, die am Ende der Ausstellung versteigert werden zugunsten von Junge Helden e.V., einem Verein, der sich für die Organspende einsetzt. Die Ausstellung endet am 18. Mai – der zugleich der 20. Geburtstag des Berliner Hard Rock Cafés ist.

„The Art of Hard Rock“, 13.4.–18.5., Hofgalerie, Kurfürstendamm 213, Mo–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–15 Uhr, Eintritt frei

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