Berlin : Pop-Politik-Symbiose im Opernpalais und im Hyatt-Hotel

Matthias Oloew

Parole: Moin-Moin. Wer das einigermaßen mundartgetreu hervorbringt, hat am Eingang gute Karten. Insbesondere dann, wenn man keine Karten in der Hand hat, sondern auf einer der Gästelisten steht, was zu prüfen allerdings erfordert, an dem dunkel livrierten Türsteher vorbeizukommen. Eine rigide Politik fährt der, denn das Operpalais platzt am Freitagabend aus allen Nähten. So voll ist es zum Empfang des Norddeutschen Rundfunks und der niedersächsischen Landesregierung, dass Ehrengäste schon gegangen sind, bevor der Abend richtig angefangen hat.

Harald Juhnke ist schon weg, Heino Ferch - nomen est omen - steckt im Gedränge fest und ist nicht auszumachen, soll aber da sein. Sissi Perlinger mogelt sich durch die Massen. Das Buffet kann niemand so recht genießen. Das ist schade für das Tiramisu, das dem Nachbarn vom Teller gefegt wurde und jetzt zwischen Sohlen und Teppich klebt. Schade auch für die vielen Broschüren, die ausliegen: Das niedersächsische Kinobüro wirbt für eine Tournee durch Kunstfilmkinos des Landes mit einer restaurierten Kopie von "Vom Winde verweht", mit Station in Quernheim bei Lemförde. Die Handzettel für das Filmfest Emden gehen genauso unter wie der katalogstarke Location-Guide Niedersachen, der unter anderem den Leuchtturm von Pilsum und die Altstadt von Jever als Drehort anpreist. Dafür tauschen die Gäste ihre Berufserfahrungen aus. Das halbe Landesfunkhaus Hannover macht offenbar einen Betriebsausflug zur Berlinale.

Anders hingegen die Party des Musiksenders Viva im Grand Hyatt am Marlene-Dietrich-Platz. Selbst zur Stoßzeit ist es nicht so voll, dass die Gäste nicht ungezwungen im Ballsaal der Nobelherberge flanieren können. Eine Symbiose von Popkultur und Politik, was ja gemeinhin viel miteinander zu tun hat. Unter den Gästen weilt viel Polit-Prominenz, von Rot-Grün bis ganz Rot. Gregor Gysi zum Beispiel und Otto Schily, aber auch der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Rezzo Schlauch, und der erklärte Filmfreund und Umweltminister Jürgen Trittin. Kommentar Wolfgang Menge: "Der wird auch immer schicker." Politik will eben verkauft werden, und da können die Herren viel lernen von dem jungen Moderatoren-Gemüse von Viva, dem zwar nicht die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Abends gehört, das aber Farbtupfer in die ansonsten zwischen Grau und Dunkelgrau changierenden Garderoben bringt.

Apropos: Der Schweizer Gesandte Thomas Borer-Fielding und seine Frau Shawne haben sich den Abend auch nicht entgehen lassen, und nach wie vor gibt es Beobachter, die vom gewinnenden Charme des Paares ins Schwärmen geraten. So ähnlich muss es offenbar auch um Sabine Christiansen und Alice Schwarzer bestellt sein. Beide fallen sich derart überschwänglich in die Arme, als hätten sie sich wie Jugendfreundinnen seit dem Abitur nicht mehr gesehen. Alles Spekulation. Wie auch das Privatleben von Nina Hagen, das ausnehmend vielen Gesprächsstoff bietet. Warum? Na, wegen der Scheidung. Die ist nämlich nicht, wie auch einer Gegendarstellung in der BZ nachzulesen ist, auf das Oben-Unten-Liegen beim Sex zurückzuführen. Die Gründe bleiben vorerst das Geheimnis der Hagen. Auch, weil sie ihren neuen Mann nicht dabei hat, trotzdem aber nicht allein am Fenster sitzt.

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