Berlin : Pop! Stolizei! (Kommentar)

Andreas Conrad

Zu den legendären Monologen, die West-Berliner Kulturgeschichte schrieben, gehört auch folgender Wortbeitrag eines Ordnungshüters, für die Nachwelt aufgezeichnet von Gerhard Seyfried: "Pop! Stolizei! Äh! Stei! Polizop! Nein, öh . . . Stop! Poliz . . . Weg isser . . .!" Zwei Jahrzehnte sah man darin, je nach politischer Couleur, eine realistische Beschreibung des durchschnittlichen Intelligenzgrades unserer Ordnungshüter oder einen Anschlag auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Mit dem Millenniumswechsel muß beides zu den Irrtümern des Jahrhunderts gerechnet werden, glaubt man dem Schreckensszenario, das offenbar einer Dienstanweisung der Polizei für die Zeit vom 29. Dezember 1999, 19 Uhr, bis zum 3. Januar 2000, 19 Uhr, zugrundeliegt: Alle bleiben dienstbereit, also trocken, basta.

In der Tat wäre es verhängnisvoll, wenn bei Straßenkontrollen die Beamten, durch Hochprozentiges um ihre innere Sicherheit gebracht, nur noch zu Seyfriedschen Wortspielen fähig wären, wenngleich nicht durch zu wenig IQ, sondern zuviel Promille bedingt. Die Frage ist nur: Wie kontrolliert man die Abstinenz am Silvesterabend? An Thermosflaschen schnuppernde Vorgesetzte hätte Verfassungsklagen bis weit ins nächste Jahrtausend zur Folge. Ist das die Sache wert? Und wird nicht der gute alte KOB, der Kontaktbereichsbeamte, Zielscheibe neuen sprachschöpferischen Spotts? KOB - Kids ohne Bier.

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