Porträt Florian Langenscheidt : Der kreative Menschenfreund

Der Autor und Verleger Florian Langenscheidt schreibt über Glück – und gibt es mit seiner Stiftung an Kinder weiter.

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Glück im Visier. Florian Langenscheidt vor der Villa Liebermann am Wannsee, die er auch wegen des schönen Gartens gern für Veranstaltungen nutzt. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Glück im Visier. Florian Langenscheidt vor der Villa Liebermann am Wannsee, die er auch wegen des schönen Gartens gern für...

Die Zukunft gehört den Optimisten, und sie wird besser sein als die Gegenwart. In der Steinzeit, glaubt Florian Langenscheidt, mag Pessimismus eine ganz nützliche Eigenschaft gewesen sein. Wo „hinter jeder Ecke ein Säbelzahntiger lauern konnte“, half er beim Überleben. Aber heute ist er hoffnungslos überholt. Mit Optimismus kommt man viel weiter. „Man muss schon glauben, ein dickes Brett bohren zu können, um wirklich etwas zu bewegen.“ Der Verleger und Philanthrop hat nicht nur das „Wörterbuch des Optimisten“ geschrieben. Er lebt diese Haltung auch. „Ich sehe das Elend der Welt und würde verzweifeln, wenn ich nicht ein bisschen mithelfen könnte, es zu lindern“, sagt der 54-jährige Vater von fünf Kindern im Alter zwischen zwei und 24 Jahren. Ein bisschen ist vielleicht ein bisschen untertrieben. „Aus der beglückenden Erfahrung heraus, eigene Kinder zu haben“, gründete er 1994 den Verein „Children for a better World“, um Kindern ohne Heimat und Hoffnung zu helfen. Er fand 32 Menschen, die bereit und in der Lage waren, je 10 000 DM und ein Projekt mitzubringen. Ein Schwerpunkt ist die Bekämpfung des Hungers, auch in Deutschland, wo rund drei Millionen Kinder in Armut leben. 1238 Projekte hat „Children“ in Deutschland und der Welt gefördert, 20 Millionen Euro an Spendengeldern gesammelt, an Mittagstischen in 31 Städten werden 250 000 Mahlzeiten jährlich gefördert. Um den Verein über das eigene Leben hinaus dauerhaft finanziell abzusichern, gründete Langenscheidt vor vier Jahren eine Stiftung, für die er und seine frühere Frau Gabriele Quandt jeweils eine Million Euro gaben. Er fand mehr als 40 Mitstifter und ein hochkarätiges Kuratorium, dem unter anderem Arend Oetker, Regine Sixt und Caroline Link angehören. Das Stiftungskapital betrug fünf Millionen Euro. Die jährliche Verzinsung geht in den Verein. Im letzten Jahr konnte der Verein allein aus diesen Mitteln 100 000 Euro ausgeben.

Florian Langenscheidt ist auch als Verleger tätig, im familieneigenen Unternehmen derzeit als aktiver Gesellschafter, und er hat Management gelernt an den besten Instituten in den USA, Frankreich und Deutschland. Wenn er mit seiner Partnerin Miriam bei einer Gala auftritt, gibt es garantiert ein Blitzlichtgewitter. Sein Engagement ist geprägt von positivem Denken und Pragmatismus. „Gute Taten darf man nicht allein Ehrenamtlichen überlassen“, ist er überzeugt. So genannte „Feel good“-Projekte, bei denen Einzelne mal etwas sammeln für einen guten Zweck, seien zwar auch wichtig. „Aber wenn der dritte Sektor wirklich was bewegen will, muss er mit genau den gleichen Methoden arbeiten, mit denen das Geld verdient wird, das wir hier ausgeben – nämlich Prototypen entwickeln, daraus lernen, testen, evaluieren, in die Breite gehen, Einkaufsmacht entwickeln.“ Wenn sich 36 afrikanische Staaten zusammentun, um günstiger Aidsmedikamente zu kaufen, dann findet er das spannend. Es ist wichtig, dass in den Geschäftsstellen gut ausgebildete Profis tätig sind. Auf manche Personalentscheidung ist er richtig stolz, daraus macht er keinen Hehl. Glücklich aber macht ihn etwas anderes. Kinderbeiräte entscheiden mit über die Arbeit von „Children“. Kindern zuzuhören, wie sie darum werben, anderen zu helfen, daraus unter anderem formieren sich für ihn die schönen Momente, aus denen er seine Energie zieht. Der Tatsache, dass glücklich wird, wer andere glücklich macht, ist natürlich auch ein Kapitel in seinem Buch über das Glück gewidmet, das im nächsten Jahr erscheinen soll. Bücher schreiben und Reden halten macht ihm Spaß. Mal ist es eine Dankesrede vor Mitarbeitern des Unternehmens PartyLite, das seinen Verein unterstützt, mal hält er seine „Rede gegen den Egoismus“, um andere zum Stiften zu bewegen.

Vorbilder hat er natürlich auch. Die beiden größten sind Bill Clinton und Bill Gates. Wenn er von der Gates-Stiftung erzählt, gerät er ins Schwärmen: „Wenn ich 25 wäre, würde ich sehr gerne für die arbeiten.“ Dass Gates es innerhalb von zehn Jahren schaffen wird, die Zahl der Kinder, die unnötig sterben, von acht auf vier Millionen zu halbieren, bewegt ihn sichtlich.

Er selbst widmet 25 Prozent seiner Arbeitszeit der Philanthropie. Kreative Ideen zu generieren, wie man Geld auftreibt für gute Zwecke, ist ein wichtiger Teil davon. „Es bringt nichts, einfach nur um Geld zu bitten“, hat er gelernt. Beispielhaft ist eines seiner aktuellen Projekte. Demnächst gibt er ein Buch heraus „Das Beste für Ihr Kind“, das die besten Produkte und Marken für Kinder bis zum zehnten Lebensjahr vorstellt. Zwei Euro von jedem verkauften Buch werden in warme Mahlzeiten für benachteiligte Kinder investiert. Türen zu öffnen, reiche Menschen auf Ideen zu bringen, was sie Gutes tun können, neue Tätigkeitsfelder zu erschließen, wie die Akquise von Erbschaften und Vermächtnissen, Netzwerke zu schaffen und zu nutzen, das sind weitere Bereiche, denen er sich widmet. Er zückt eine hübsche Broschüre, mit der der Designer-Discounter TK Maxx um Spenden für „Children“ wirbt. Auch „Jugend hilft!“ gehört zu seinen kreativen Ideen. Seit 1999 fördert die Initiative soziales Engagement von Kindern und Jugendlichen. Am heutigen Donnerstag findet die jährliche Gala statt, bei der die besten Projekte ausgezeichnet werden. Im „Jugend hilft!“-Camp können sich in diesen Tagen in Berlin die Siegerteams miteinander und mit Profis vernetzen. Seit 1999 nahmen 70 000 Jugendliche aus mehr als 900 Projekten teil. In den letzten acht Jahren wurden 345 Projekte mit 370 000 Euro gefördert.

„Children for a better World“ unterstützt auch Projekte im Ausland, zum Beispiel in China, Indien, Vietnam, Guinea, Uganda und Bulgarien. Gerade erst wurde Langenscheidt eingeladen, mit seiner Initiative Teil von Bill Clintons Global Initiative zu werden. „Eine große Ehre“, sagt er. Und erwähnt auch gleich die riesigen Chancen, die sich ihm erschließen, seine Stiftung vor einem so hochkarätigen Gremium vorzustellen. Der Initiative gehören prominente Führungspersönlichkeiten an, die eine nachhaltige globale Gemeinschaft planen. Er hofft also auf Nachahmer in aller Welt. „Entwicklungshilfe muss mehr und mehr durch private Initiativen ergänzt werden.“

Dass Stifter auch Steuern sparen, findet er völlig richtig: „Jeder privat ausgegebene Euro ist doch dreimal so effizient, private Initiativen arbeiten einfach schneller.“ Deswegen wird es immer wichtiger, dass Privatleute diesen Bereich mit übernehmen. „Mit Not gewinnt man keine Wahlen.“ Wo der Staat an seine Grenzen gerät, springen private Freundeskreise ein. Aus etlichen Mitgründern des Vereins „Children for a better World“, die er damals noch gar nicht kannte, sind längst Freunde geworden.

Wie viele enge Freunde kann eigentlich ein überzeugter Menschenfreund haben? Mehr als eine Handvoll, wie oft gesagt wird, glaubt er. Er sieht sich in der glücklichen Lage, „vielleicht zehn bis zwölf wirklich gute Freunde zu haben“. Auch die älteren Söhne, die einst den Ausschlag gaben für sein Engagement, weil sie ihn erkennen ließen, wie schutzbedürftig Kinder sind, betätigen sich philanthropisch. Sein Sohn Leonard zum Beispiel in New York mit einem Dance Marathon zugunsten der Aidsbekämpfung.

Informationen über die Kinderhilfe:

www.children.de

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