Porträt : Führungsstark: Carola Bluhm hatte die Fraktion fest im Griff

Es ist nicht das erste Mal, dass Carola Bluhm für einen Senatsposten im Gespräch ist. Doch 2006 kam der Fraktionsvorsitz bei den Berliner Linken dazwischen. Dass sie nun Sozialsenatorin werden soll, nennt sie eine "Herausforderung".

Als Klaus Lederer, Parteichef der Berliner Linken, am gestrigen Sonntag Carola Bluhm als Nachfolgerin von Heidi Knake-Werner vorschlug, nannte er die 46-Jährige eine „Generalistin“, die sowohl Expertin in der Bildungs- als auch in der Arbeitsmarktpolitik ist. Deshalb müsse man auch über ihre Profilierung nicht streiten. Es besteht kein Zweifel, dass der Parteivorstand der Linken Carola Bluhm auch formell zur Nachfolgerin von Knake-Werner bestätigt. Und es ist nicht das erste Mal, dass die 46-jährige Realpolitikerin für einen Senatsposten gehandelt wird. Schon 2006 war die Bildungsexpertin als Senatorin im Gespräch. Maßgeblich hatte sie eines der rot-roten Vorzeigeprojekte mitentwickelt: die Gemeinschaftsschule.

Doch dann löste sie 2006 den aus dem Amt scheidenden Stefan Liebich als Fraktionschef ab. Bluhm hatte die Fraktion schon von 1996 bis 2001 in einer Doppelspitze geführt. Sie hat einen kommunikativen und vor allem integrierenden Arbeitsstil. Eine Einzelkämpferin ist sie nicht, sie arbeitet gern im Team und diskutiert lieber eine Runde länger über strittige Punkte, bis sie ausgeräumt werden.

Ihre Fraktion hat Bluhm fest im Griff. Knake-Werner zum Beispiel hatte den Parlamentariern von ihrem geplanten Rücktritt schon am 25. Juni berichtet: Nach außen drang darüber kein Sterbenswörtchen. Dass die Disziplin bei den Linken so groß ist, wollte Bluhms SPD-Amtskollege Michael Müller gar nicht glauben und wettete um eine gute Flasche Rotwein, die er ihr nun schuldig ist.

Seit 1991 ist Carola Bluhm Mitglied im Abgeordnetenhaus. Jetzt in die Exekutive zu wechseln, sei für sie schon eine „Herausforderung“, sagt sie. Sie habe aber in den letzten Jahren das Verwaltungshandeln sehr gut kennengelernt, das komme ihr zugute. Trotz des beruflichen Stress’ will sie sich aber weiter ihrem Garten widmen: Carola Bluhm ist Soziologin – und gelernte Gärtnerin. sib

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