Berlin : Porträt: Geistige Einheit

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D. Albrecht Schönherr feiert heute seinen 90. Geburtstag. Der Patriarch der evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg wird am Vormittag in der Französichen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt mit einem Gottesdienst geehrt (ab 11 Uhr). Als Student in Berlin und am Predigerseminar stand Schönherr der im Nationalsozialismus verfolgten Bekennenden Kirche nahe. Schönherr blieb nach dem Krieg dem Kirchenkreis Brandenburg verbunden und wurde 1962 Generalsuperintendent. Ende der 60er Jahre war er die zentrale Figur im Streit um ein Ost-Berliner Bischofsamt, das er seit 1967 kommissarisch inne hatte. Die von der SED betriebene Teilung des Amtes würde die Teilung der Stadt vertiefen, sagte der Westen. Durchsetzen konnte sich die SED: Die Staatsgrenzen der DDR sollten auch die organisatorischen Grenzen der Kirche sein. Im November 1972 wurde Schönherr schließlich gewählt. Er verteidigte sein Ziel, dass die geistige Gemeinschaft der Evangelischen Kirche in Berlin Brandenburg "über alle Abgrenzungen hinweg fortdauern" solle. Bischof Schönherr blieb wirklich dem Westen zugewandt, auch im Ruhestand seit 1981. So diskutierte er 1986 in der West-Berliner Urania mit der Grünen Antje Vollmer und dem Verleger Klaus Wagenbach über die Chancen einer deutsch-deutschen Friedenspolitik. In seiner Amtszeit versuchte Schönherr, im Dialog mit Partei- und Staatsführung der DDR Freiräume für die Kirche zu schaffen. Darin sah er sich mit Manfred Stolpe, dem damaligen Konsistorialpräsidenten und heutigen Ministerpräsidenten von Brandenburg, einig. Schönherr verteidigte Stolpe gegen den Vorwurf, auch mit der Stasi gesprochen zu haben.

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