Berlin : Porzellan- statt Pappteller: Zuviel Pappe und Blech an Imbissbuden

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Porzellan- statt Pappteller, Senf aus dem Glas statt aus dem Einwegtütchen, Bier aus der Flasche statt aus der Dose und gelbe Tonnen am Tresen - so wünscht sich das Weddinger Umweltamt die Imbisse des Bezirks. Doch damit hapert es noch. Ein knappes Fünftel der 162 Würstchen- und Kebabbuden macht immerhin Fortschritte und kann künftig mit dem Sticker "Weddinger Imbiss 2000 - freiwillig abfallarm" für sich werben. Das ist ein Erfolg eines seit über einem Jahr laufenden "Abfallvermeidungsprojekts", dessen Ergebnisse Bau- und Umweltstadtrat Bernd Schimmler (SPD) und das Ingenieurbüro Gavia gestern vorstellten.

Sechs Kriterien müssen die Imbissbuden erfüllen, um das Abfallzeichen verliehen zu bekommen. Die Betreiber müssen sich beispielsweise verpflichten, schon beim Einkauf auf unnötige Verpackungen zu verzichten, sie müssen Pappkartons gleich wieder an Lieferanten zurückgeben, möglichst Mehrweggeschirr anbieten oder zumindest eine gelbe Tonne für Wertstoffe aufstellen. 26 von 162 Weddinger Imbissen erfüllen zumindest einige Kriterien, drei alle sechs. "Viele andere sind sensibilisiert", sagte Gavia-Geschäftsführerin Eva-Maria Beer. Sie hat in den vergangenen Monaten die Situation in den Schnellrestaurants untersucht, Faltblätter mit Umwelttipps in Deutsch und Türkisch verteilt und viele Betriebe beraten.

Interesse sei vorhanden, sagte Beer. "Es gibt ein schlagendes Argument: Geld sparen." Für eine normale Hausmülltonne müssten die Imbissbetreiber bezahlen, für die gelbe Tonne nicht. Bis zu 40 Prozent der Müllkosten könne man vermeiden. Der Grund dafür, dass die wenigsten Imbissbetreiber auf Tellern servieren, sei teilweise aber auch Platzmangel, sagte Beer. In einige Buden passe keine Geschirrspülmaschine. Die Erhebung von Gavia ergab zudem, dass 43 Prozent der Imbisse des Bezirks türkisches Essen anbieten, 25 Prozent deutsche Gerichte. Im Durchschnitt sind zwei Menschen in einem Imbiss beschäftigt. Ein Problem bei der Beratung war nach Angaben Gavias der häufige Besitzerwechsel in Schnellrestaurants. Ein Großteil der Betreiber, die 1999 befragt wurden, sei in diesem Jahr nicht mehr angetroffen worden.

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