POSITIONEN : Kraftzentrum Berlin

Wie Berlin ökonomisch stark wird – als Stadt der kreativen Talente Von Klaus Wowereit

Berlin holt auf“, so betitelte kürzlich Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung einen Artikel im Tagesspiegel. Er brachte damit auf den Punkt, was viele Studien über Berlin erfassen: Diejenigen, die sich an der Vergangenheit orientieren, erläutern das Ausmaß des Berliner Strukturwandels in den letzten Jahren. Studien aber, die die Zukunftsaussichten der Stadt bewerten, zeigen: Berlin ist gut aufgestellt, um ökonomisch stark zu werden.

Berlin hat die besten Voraussetzungen, um ein Kraftzentrum der wissensbasierten Ökonomie in Europa zu sein. Die Kompetenzfelder Berlins, gleichzeitig Zukunftsfelder der neuen Ökonomie, die Medizintechnik, die Biotechnik, die Verkehrssystemtechnik sowie die Informations- und Kommunikationstechnologie sind in den letzten Jahren deutlich stärker gewachsen als im Rest des Landes. Die Exportquote der Berliner Industrie ist von 24 Prozent im Jahr 2000 auf 31,1 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Zugleich verfügt Berlins Wirtschaft über eine Masse an versteckten Champions: Der High-End-Anlagen-Hersteller Burmester, die Firma für Schwingungsisolierungen Gerb oder auch Berlin Heart – alles Namen, die nicht häufig in der Öffentlichkeit stehen, aber Marktführer oder Weltmarktführer in ihrem Segment sind.

Auf dieser guten Basis wollen wir voranschreiten. Will Berlin ein Kraftzentrum der Wissensökonomie werden, muss es drei Wege konsequent verfolgen:

Berlin muss zu einem Standort der Technologie von morgen und der Forschung für übermorgen werden. Zwar wird Berlin nicht mehr die Stadt der großen Industriekomplexe sein. Aber in den Hinterhöfen Kreuzbergs, in Adlershof oder Berlin-Buch wirtschaften kleine, zum Teil hochtechnologische Firmen. Sie sind die Jobmotoren der nächsten Generation. Mit seiner hervorragenden Wissenschaftslandschaft hat Berlin zudem einen Treiber für Innovationen in der Wirtschaft. Der „Masterplan Wissenschaft“ des Senats beschleunigt die Verbesserung von Forschung und Ausbildung.

Berlin muss die Stadt der Talente sein. Wir wollen attraktiv für Kreative aus Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft sein: Der Entwickler in der Wirtschaft, der sich für soziale Belange einsetzt, die Wissenschaftlerin, die den Elfenbeinturm verlässt und mit Unternehmen Innovationen entwickelt, sowie die Künstlerin, die den Kindern an den Schulen ihre Kompetenzen weitergibt – sie wollen wir gewinnen.

Mein Ziel ist es, dass Berlin in den nächsten fünf Jahren zu einer der Topadressen für die Kreativen der Welt wird. Denn sie bringen Wachstum und damit auch Arbeitsplätze mit sich. Zugleich heben wir mit unserer Bildungspolitik den Schatz an verborgenen Talenten in unserer Stadt.

Drittens braucht Berlin eine aktive Willkommenskultur. Diejenigen, die hier leben, wissen: Berlin ist vielfältig, reich an Kultur und an unterschiedlichen Lebensentwürfen. Berlin muss gleichzeitig offen sein für alle, die neu zu uns kommen. Besucher sollen zu Bewohnern werden! Dafür will Berlin eine tolerante Stadt sein. Schon heute zeichnet sich Berlin im Vergleich der großen Metropolen durch seine besondere Weltoffenheit aus. Mehr als 1,6 Millionen neue Berlinerinnen und Berliner seit 1990 zeugen von der großen Integrationsfähigkeit der Stadt. Eine stetig größer werdende Community von Menschen unterschiedlichster Herkunft will an der Zukunft Berlins mitarbeiten. Sie sind dazu herzlich eingeladen! Toleranz aber kann man nicht erzwingen: Ermutigen wir die Menschen, Verantwortung für den Zusammenhalt und das Gemeinwohl zu übernehmen.

Technologie, Toleranz und Talente – mit diesen drei Ts ist unsere Stadt in den letzten Jahren erfolgreich gewesen. Beim TTT-Index der Robert-Bosch- Stiftung liegt Berlin unangefochten auf Platz eins. Das ist das Signal für die Zukunft: Berlin hat im internationalen Vergleich die besten Voraussetzungen, Kreativität, Weltoffenheit und Kompetenz für die Wirtschaft von morgen glaubwürdig auszustrahlen.

Diese Chance nicht verstreichen zu lassen, ist eine ambitionierte Aufgabe, für die wir die Berlinerinnen und Berliner ins Boot holen müssen. Sie haben in den letzten 20 Jahren Unglaubliches geleistet, damit Berlin wieder wächst. Der Wandel in der Stadt kann nur mit den Berlinern – und nicht allein für sie – positiv gestaltet werden. Die Menschen wollen wir gewinnen. Denn nur wer selbst überzeugt ist, kann nach außen positiv ausstrahlen.

Es war in den letzten Jahren gute Übung in Berlin, große Versprechungen zu machen. Meine Erfahrung mit den Berlinern lautet: Reden alleine überzeugt sie nicht, sondern nur eine Politik, die sich konkret für Lebensqualität und Arbeitsplätze einsetzt. In der anstehenden Markenkampagne werden unsere technologische Leistungsfähigkeit, unsere Talente und unsere Toleranz in den Mittelpunkt gestellt. Doch zuerst suchen wir das Gespräch mit den Partnern der Stadt, mit den Menschen. Ihre Ziele, Träume und auch Probleme nehmen wir ernst, und wir werden uns ihnen stellen. Ich habe Vertrauen in die Kraft der Berliner, in ihre Kompetenz und ihre Ausdauer – das zahlt sich aus.

Der Autor ist Regierender Bürgermeister von Berlin

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