POSITIONEN : Neue Schulen, neue Chancen

Hinsehen, Probleme erkennen, Lösungen finden, ist Gebot der Stunde für Sekundarschulen

Siegfried Arnz
Foto: Privat
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In der aktuellen Debatte um die Schulstrukturreform wird immer wieder die Frage gestellt, ob die neuen Integrierten Sekundarschulen die hohen Erwartungen erfüllen können – oder neue Restschulen drohen. Zunächst die Fakten: Die 50 Haupt- sowie verbundenen Haupt-Realschulen, die es in der Berliner Schullandschaft neben den Gymnasien, Gesamtschulen und Realschulen gab, sind durch Umwandlung oder Fusion zu 42 Sekundarschulen geworden. In 27 dieser neuen Schulen überwiegen bereits in diesem Schuljahr die Kinder mit Realschul- und Gymnasialempfehlungen. Dies gilt auch für fünf der direkt aus Hauptschulen gebildeten Sekundarschulen. In den anderen ehemaligen zehn Hauptschulen liegt der Anteil der Kinder mit Realschul- und Gymnasialempfehlung zwischen 15 und 45 Prozent.

Zwei Beispiele: An der Johann-Thienemann-Schule in Steglitz lernen im 7. Jahrgang von 69 Kindern 23 mit Realschul- und ein Kind mit Gymnasialempfehlung. An der Reinhold-Burger-Schule in Pankow bringen 76 von 104 Kindern eine Realschul- und zwei eine Gymnasialempfehlung mit. Davon konnten Hauptschulen bisher nicht einmal träumen. In Mitte, Pankow und Treptow-Köpenick sind an allen Sekundarschulen die Kinder mit Real- und Gymnasialempfehlung in der Mehrheit. Diese Zahlen belegen, dass in den meisten neuen Sekundarschulen bereits im ersten Jahr eine Mischung der Schülerschaft erreicht werden konnte.

Dies bedeutet nicht, die Augen vor Problemen zu verschließen: Vor den Ängsten vieler Eltern, dass ihre Kinder nicht genug gefördert werden, weil sie durch die bisherigen Hauptschüler gestört und am Lernen gehindert werden und im Unterricht ein höheres Leistungsniveau zu kurz kommt. Vor Konflikten in den Schulen, auch zwischen Migranten und Deutschen, auch in Form des sogenannten Deutschenmobbings. Vor den sozialen Problemen, die in den Schulen der Brennpunktbezirke massiv präsent sind.

Die neue Schulstruktur bietet grundsätzlich bessere Rahmenbedingungen: Es kommt darauf an, sie zu nutzen, in jeder einzelnen Schule. Attraktiv werden die Sekundarschulen, wenn es ihnen gelingt, ein hohes Lernniveau zu erreichen und zugleich die Schwächeren zu fördern und zum Lernen zu motivieren sowie in einem Klima der Wertschätzung gemeinsam klare Regeln für den Umgang miteinander zu entwickeln, einschließlich notwendiger Konsequenzen bei Verstößen. Zudem müssen die Angebote des Dualen Lernens mit den Partnern der Wirtschaft konkret werden, eine glaubhafte Perspektive zu allen Abschlüssen bis hin zum Abitur entstehen und dabei Kooperationen mit den Oberstufenzentren genutzt werden.

Schulen, die mit diesen Schwerpunkten ihr eigenes Profil entwickeln, geben den Sekundarschulen ein erkennbares Gesicht. Sie haben auf diesem Weg jeden Anspruch auf Unterstützung. Dazu zählen eine Kooperation mit der Jugendhilfe, das Programm Jugendsozialarbeit ebenso wie gezielte Fortbildungsangebote in den Schulen. Hinsehen, Probleme erkennen und Lösungswege entwickeln: das ist das Gebot der Stunde – nicht das Gespenst neuer Restschulen zu beschwören.

Der Autor ist Referatsleiter der Bildungsverwaltung und verantwortlich für die Schulstrukturreform

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