POSITIONEN : Reichtum Kinder

Berlins Familien brauchen einen Wettstreit um die besten Hilfen und Konzepte

Peter Ruhenstroth-Bauer

Wann immer es im Fernsehen um Familienpolitik geht, sehen wir die gleichen Bilder: Kinder auf dem übervollen Spielplatz am Kollwitzplatz im Prenzlauer Berg. Jede Menge fröhliche Kinder! In Teilen der Hauptstadt stellt Kinder kriegen offensichtlich nicht in erster Linie ein Problem dar, Kinder bedeuten Reichtum, Glück und Freude. Doch diese Bilder verdecken zu oft auch die Defizite.

Eines ist klar: wir brauchen noch viele, gute Lösungen für Familien in Berlin. Es gibt noch jede Menge Probleme, Ungerechtigkeiten, verpasste Chancen und auch schlechte Bedingungen für Familien. Es steht fest, dass jedes fünfte Kind materiell arm ist. Eltern muss noch intensiver Hilfestellung geboten werden. Wege aus der prekären Situation müssen deutlich werden.

Und die schönen Fernsehbilder vom Spielplatz vermitteln noch den Eindruck, Berlin sei die Stadt in Deutschland, der der demografische Wandel nichts anhaben kann. Doch der Schein trügt. Denn in kaum einer Stadt prallen die Widersprüche zwischen jung und alt, aber auch arm und reich, so aufeinander . Gerade deshalb ist die älter werdende Gesellschaft für die Stadt und für ihre Familien eine außerordentliche Herausforderung.

Die Auswirkungen des demografischen Wandels sind bereits heute sichtbar. Deshalb ist es gut, dass jetzt das längst überfällige Demografie-Konzept für Berlin entwickelt wird. Wir brauchen vielfältige Strategien. Die Herausforderungen sind bekannt: Alterung, Fachkräftemangel, zunehmende Polarisierungen von Lebensformen und Lebenslagen.

Wir brauchen einen Wettstreit um die besten Lösungen und den richtigen Weg. Der neue Familienbeirat des Berliner Senats wird diese Themen aufgreifen – im öffentlichen Diskurs, mit Gesprächen in den Bezirken, mit Familien in allen Lebensphasen, ausgewertet von Experten – und Empfehlungen machen, die die Betroffenen mitentwickelt haben. Es geht aber nicht allein um die Bedingungen für junge Familien, die Situation für Kleinkinder oder die Betreuungssituation in den Kitas. So sind auch die Voraussetzungen für Frauen, die Kinderwunsch und Beruf unter einen Hut bringen wollen, wichtig. Dass in einer Stadt mit hoher Arbeitslosigkeit die Auswirkungen der materiellen Situation der Familien einen Schwerpunkt bilden, liegt auf der Hand. Denn arme Familien heißt auch arme Kinder. Und auch da hört Familie nicht auf. Wir werden älter und bleiben länger gesund. Was aber, wenn Familie einen pflegebedürftigen Angehörigen zu versorgen hat? Wie wird man in Berlin alt, auch wenn die Kinder längst woanders sind? Soziale Netzwerke und Hilfestellungen, die im Alter wichtiger werden, müssen genauso unter die Lupe genommen werden.

Der Autor ist Vorsitzender des Berliner Beirats für Familienfragen und war Staatssekretär im Bundesfamilienministerium.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben