Post : Versendet und versandet

Weihnachtspäckchen Ende Januar, beschädigte Verpackungen, Kreditkartendaten statt Stollen: Nach der Aufklärung um den LBB-Skandal fragen sich Kunden: Wie zuverlässig sind Zusteller?

Sandra Dassler

Ein Weihnachtspaket, das Ende Januar in Charlottenburg ankommt und nur noch die Verpackung des sehnsüchtig erwarteten Barbie-Hauses enthält; eine Blumensendung, die trotz des Vermerks „Lebende Pflanzen, sofort zustellen“ tagelang in einer Filiale in Prenzlauer Berg liegen bleibt; Lebensmittel, die in Päckchen verschimmeln, weil diese wegen Personalmangels in Zehlendorf nicht ausgetragen werden – fast jeder Berliner kennt solche Fälle. Seit am Freitag bekannt wurde, dass der Daten-Skandal bei der Berliner Landesbank (LBB) durch den Diebstahl eines Weihnachtsstollens durch zwei Kurierfahrer ausgelöst wurde, fragen sich viele, wie sicher Paket- und Briefsendungen eigentlich sind.

„Sehr sicher“, sagt Anke Baumann ohne zu zögern. Die Sprecherin der Deutschen Post Berlin kann zwar keine Zahlen über gestohlene, beschädigte oder zu spät gelieferte Pakete, Päckchen und Briefe nennen, sagt aber: „Die Reklamationen sind zahlenmäßig sehr gering.“

Am häufigsten kämen Beschädigungen vor, allerdings würden diese oft von Absendern verursacht und in den Nachverpackungsstellen ausgeglichen, sagt Baumann. Über Verspätung hatte es bis vor wenigen Wochen viele Klagen vor allem in den Innenstadtbezirken gegeben. Nachdem sich – nicht nur in Berlin, sondern auch in Hamburg und anderen Städten – Gewerkschaft und Betriebsräte eingeschaltet hatten, wurden deutschlandweit 1000 zusätzliche Zusteller eingestellt.

12 000 Mitarbeiter hat die Post in Berlin und Brandenburg, und natürlich können man nicht für jeden die Hand ins Feuer legen, sagt Anke Baumann. Aber durch eine eigene konzerninterne Sicherheitsabteilung könnten Diebstähle meist sehr schnell aufgeklärt und bei Verdachtsmomenten auch Personen überprüft werden. In den beiden Paket- und den vier Briefzentren, die fast alle im Berliner Umland liegen, würden ständig gezielte Kontrollen durchgeführt. Trotzdem gäbe es immer wieder Schwarze Schafe. Erst vor zwei Jahren hatte ein Berliner Postzusteller mehrere tausend Briefe in einem Steglitzer Keller gebunkert, weil es ihm angeblich zu viel Arbeit war, alles auszutragen.

„Normalerweise wird jeder Diebstahl schnell bemerkt“, sagt eine Berliner Postzustellerin: „Die Kunden merken doch, wenn etwas nicht ankommt.“ Ähnliches erzählen auch Mitarbeiter von Berliner Kurierdiensten. Jeder, der unzuverlässige Leute beschäftige, riskiere in diesem Geschäft seine Existenz, heißt es in der Branche, in der es gestern allgemeines Kopfschütteln über den Weihnachtsstollen- Diebstahl gab.

Wie berichtet, hatte die Firma Atos Worldline in Frankfurt (Main) einen Kurierdienst mit der Beförderung von sechs Paketen mit Kreditkartenabrechnungen an die LBB beauftragt. Dieser hatte den Auftrag an ein Subunternehmen weitergegeben, dessen Mitarbeiter die sechs Pakete zu einer Sammelstelle in Mainz brachten. Dort wurden sie auf ein Paket mit Weihnachtsstollen für den Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“ aufmerksam. Sie stahlen den Stollen und schickten stattdessen eines von den sechs Kreditkarten-Paketen an die Zeitung.

„Da muss gegen viele Verträge verstoßen worden sein“, sagt Elmar Müller, der 2001 das PostKundenForum für Verbraucher in Berlin gründete: „Die Tendenz, dass Kurierdienste wiederum Subunternehmer beauftragen, ist ja nicht neu. Aber diese sollten natürlich die hohen Sicherheitsstandards erfüllen. Sowohl, was die materiellen Voraussetzungen wie die Fahrzeuge anbelangt, als auch das Personal. Zumindest für Letzteres traf das ja wohl nicht zu.“ Sandra Dassler

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